Bielerhöhe und der weitere Verlauf der Rheingebietsgrenze bis zur Nordsee

2.037 m, Verwallgruppe/Rätische Alpen (Silvretta), Rhein/Donau

Die über diesen Pass der Europäischen Kontinentalwasserscheide führende B 188 verbindet das Vorarlberger Montafon im Westen mit dem Tiroler Paznauntal im Osten. Er trennt die Verwallgruppe im Norden von den Rätischen Alpen (Untergruppe Silvretta) im Süden. Zwischen den Talorten Partennen (1.051 m) und Galtür (1.584 m) besteht Mautpflicht. Im Winter ist der Pass gesperrt. Die fast 2 km breite Passlandschaft bildet die Grenze zwischen Tirol und Vorarlberg. Der Scheitelpunkt der Bielerhöhe mit dem Silvrettasee (im Bild unten) liegt in Vorarlberg.

böhringer friedrich, CC BY-SA 2.5

Vor dem Bau der Silvretta-Hochalpenstraße waren Montafon und Paznaun über das nördlich der Bielerhöhe gelegene Zeinisjoch verbunden. Heute führt nur von Galtür eine mautpflichtige Straße über das Joch bis zum Zeinissee und zum Kops-Stausee (1.809 m, im Bild unten); das Befahren der steilen Westrampe ins Montafon ist nur mit Sondererlaubnis gestattet.

Arne Hückelheim, CC BY-SA 2.0

Der nunmehr zum Silvretta-Stausee aufgestaute Rheinzufluss Ill entspringt südlich der Passhöhe am nordwestlich des Dreiländerspitzes gelegenen Vermuntgletscher und fließt in Nordrichtung durch das Ochsental zur Bielerhöhe, auf der es vor dem Kraftwerksbau fallweise zu einer Bifurkation gekommen ist; d. h. die Ill hat gelegentlich ihre Abflussrichtung geändert oder hat sich geteilt und ist teils von der Bielerhöhe in Ostrichtung und somit ins Schwarze Meer, teils in Westrichtung und somit in den Atlantik abgeflossen. Dieses Eigenleben des Gebirgsflusses wurde mit dem Kraftwersbau und der Errichtung des Stausees, in dem auch der untere Teil des Ochsentales ertrunken ist, „abgestellt“. Der See ist nunmehr in beide Richtungen durch Staumauern gesichert und der Abfluss in Westrichtung ins Montafon eindeutig geregelt.

Das Plateau, auf dem sich Gasthäuser und auch ein Beherbergungsbetrieb befinden, hat sich zu einem beliebten Touristenziel als Ausgangspunkt für Bergtouren entwickelt. Eine Besonderheit ist eine Bootsrundfahrt auf dem See mit dem Motorboot Silvretta (im Bild unten), Europas einzigen regelmäßigen Motorbootverkehr in über 2.000 m Seehöhe.

© Hilde und Willi Senft

Im Scheitelbereich liegt auch ein kleines Wintersportgebiet mit Zielgruppe Entspannungsurlaub. Dieses Ressort verfügt nur über einen kurzen Übungslift und einige Kilometer Loipen. Obschon über die Silvrettastraße Wintersperre verhängt wird ist dieses Schigebiet erreichbar. Der Zugang erfolgt über die Vermuntbahn Partennen-Tromenier (1.731 m), und von dort mit Shuttlebus auf der alten, durch Tunnel wintersicheren Baustraße über den Vermuntsee auf die Bielerhöhe. Dadurch hat das Gebiet etwa 2 km Piste, weil man die Busstrecke (mit Rückholmöglichkeit) abfahren kann. Von Galtür aus ist Pistenbulli-Jöring auf die Höhe möglich.

Wasserscheide  Rhein Donau
Abflüsse  Ill – Alpenrhein – Bodensee – Rhein Vermuntbach – Trisanna – Sanna – Inn – Donau
Mündung  Atlantik (Nordsee) Mittelmeer (Schwarzes Meer)
von Verlauf der Kontinentalwasserscheide (Rhein/Donau) innerhalb Österreichs bis
Bielerhöhe Weiter in Südrichtung steigt die Kontinentalwasserscheide der Landesgrenze Tirol/Vorarlberg weiter folgend östlich des Bielersees innerhalb der Silvrettagruppe der Rätischen Alpen zum Hohen Rad (2.934 m) an und verläuft über Haagspitze (3.029 m), Tiroler Kopf (3.103 m) und Ochsenkopf (3.057 m) zum auf der Staatsgrenze zur Schweiz gelegenen Dreiländerspitz (3.197 m), der das Dreiländereck zwischen dem Schweizer Kanton Graubünden und den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol bildet. Sie folgt ein kurzes Stück der Staatsgrenze (Vorarlberg/Graubünden) in Westrichtung über den Piz Buin (3.312 m, höchster Berg Vorarlbergs) bis zum Signalhorn (3.207 m), wo sie Österreich in Südrichtung verlässt und innerhalb der Schweiz weiter verläuft. Signalhorn

Die weiter mit der Kontinentalwasserscheide idente Rheineinzugsgebietsgrenze erreicht nach den Übergängen Vereinabahntunnel, Flüelapass, Albulapass und Julierpass am Pass Lunghin, wo sich die Einzugsgebiete von Rhein, Donau und Po treffen, den Alpenhauptkamm und folgt diesem als Rhein/Po-Wasserscheide in Westrichtung, tritt am Splügenpass, vor dem sie ein kurzes Stück über italienisches Staatsgebiet (Region Lombardei) verlaufen ist, als Grenzkamm Schweiz/Italien in die Lepontinischen Alpen (und damit von den Ostalpen in die Westalpen) über, passiert den innerhalb der Schweiz im Kanton Graubünden gelegenen San Bernardino Pass, tritt vor dem Lukmanierpass in den Kanton Tessin über, wird danach zum Grenzkamm zwischen den Schweizer Kantonen Tessin und Uri, passiert die Rheinquellen und wird von der rechten zur linken Rheineinzugsgebietsgrenze und verlässt nach dem Gotthardpass (im Bild unten die Südauffahrt mit Blick ins Val Bedretto) den Alpenhauptkamm beim Witenwasserenstock, wo jenseits des Rheingebietes das Einzugsgebiet des Po endet und jenes der Rhône beginnt.

I, Parpan05, CC BY-SA 3.0

Die nunmehr linke Rhein-Einzugsgebietsgrenze folgt als Rhein/Rhône-Wasserscheide weiter der Kontinentalwasserscheide und verläuft als Kantonsgrenzkamm Uri/Wallis in Nordrichtung zum Furkapass, tritt in die Berner Alpen über, wird vor dem Grimselpass zur Kantonsgrenze Bern/Wallis, verläuft in Nordwestrichtung über den Hauptkamm der Berner Alpen, wo sie am Finsteraarhorn (4.274 m) den höchsten Punkt des Rheineinzugsgebiets und auch der Kontinentalwasserscheide und danach die Übergänge Lötschberg und Sanetschpass passiert, zum das Dreikantoneneck Bern/Wallis/Waadt bildenden Oldenhorn (im Bild unten).

© flickr, Hurni Christoph

Die Rhein/Rhône-Wasserscheide geht im Kanton Waadt am Col du Pillon in die Waadtländer und Freiburger Voralpen über, passiert in diesen die Pässe Col des Mosses, Col Pierre du Moëllé, Col d`Ayerne und Col de Jaman, verlässt nach dem im Kanton Freiburg gelegenen Sattel von Châtel-Saint-Denis am wieder im Kanton Waadt gelegenen Mont Pèlerin das Zentralalpengebiet und später nch dem Col du-Chalet-à-Gobet bei Le Sarraz auch das voralpine Schweizer Mittelland und damit das Alpengebiet.

Die Rhein/Rhône-Wasserscheide verläuft sodann stark richtungsändernd, fallweise kurz auf französisches Staatsgebiet übertretend und Gebiete der Kantone Waadt, Neuenburg und Bern querend durch den Schweizer Jura bis in den Kanton Jura, wo sie bei der Ortschaft Beurnevésin (im Bild unten) die Schweiz verlässt und innerhalb Frankreichs als Grenze der Regionen Grand Est (im Osten) und Bourgogne-Franche-Comté in Nordrichtung die Burgundische Pforte durchläuft und in die Vogesen übergeht.

Badener, CC BY 3.0

Weiterhin als Regionsgrenze in Nordwestrichtung verlaufend und das obere (französische) Moseltal südwestlich begleitend tritt  die Rhein/Rhône-Wasserscheide vor Remiremont in die Region Grand Est über, dreht bei Épinal in Westrichtung, verlässt die Südwestausläufer der Vogesen, quert ein Vôge gennantes Sandsteinhochplateau und erreicht in den Monts Faucilles am Col de Clochettes (415 m) jenen Punkt, an dem sich die Einzugsgebietsgrenzen von Rhein, Rhône und Maas treffen. Dort endet jenseits des Rhein-Einzugsgebietes das Einzugsgebiet der Rhône (und damit des Mittelmeeres) und es beginnt jenes des Nordseezuflusses Maas. Die linke Rhein-Einzugsgebietsgrenze trennt sich von der ab dort in Südwestrichtung als Maas/Rhône-Wasserscheide weiter verlaufenden Europäischen Kontinentalwasserscheide und verläuft als Rhein/Maas-Wasserscheide entlang der Monts Faucilles in Nordrichtung und die Mineralwasser-Kurstadt Vittel (im Bild unten die Wasserausgabe in der Wandelhalle des Kurhauses) östlich passierend bis zur Grenze von Luxemburg.

Sie durchquert den südlichen Teil des Großherzogtums Luxemburg (Kanton Esch-sur-Alzette), tritt bei Arlon in Nordwestrichtung nach Belgien (Region Wallonie) über, dreht bei Libramont-Chevigny in Nordostrichtung, passiert in den Ardennen Bastogne und Aldringen, überschreitet bei der belgischen Grenzortschaft Losheimergraben die Staatsgrenze zu Deutschland (Bundesland Nordrhein-Westfalen), geht dort am Kermeter (528 m) in die Eifel über, verläuft an deren Nordrand bis zur Jülich-Zülpicher Börde genannten Landschaft, in der sie in Nordrichtung dreht und bei Krefeld die Norddeutsche Tiefebene erreicht, in dieser in Nordwestrichtung drehend bei Kleve in die Niederlande (Provinz Gelderland) übertritt, südlich von Nijmegen in Westrichtung kaum wahrnehmbar und von zahlreichen künstlichen Kanälen gequert zwischen dem Waal genannten Hauptmündungsarm des Rheins im Norden und dem Unterlauf der Maas (Bergische Maas) im Süden bei Aalburg in die Provinz Nordbrabant übertritt, die Hollands Diep genannte Nordseebucht (siehe Karte unten), in die beide genannten Flussläufe münden, erreicht und dort als Provinzgrenze Südholland/Nordbrabant endet.

DaMatriX, C BY-SA 4.0

Zum Flusssystem des österreichischen Rheingebietes