Route Napoléon

In den bisherigen und den folgenden Ausführungen wurde bzw. wird mehrmals auf diese Straßenverbindung, die von der Küste kommend das im Vorkapitel behandelte Durancegebiet durchquert und bis ins Isèregebiet führt, Bezug genommen, weshalb hier der präzisierte Routenverlauf schlagwortartig dargestellt wird:

Als Route Napoléon wird jene Marschroute in Frankreich bezeichnet, die Napoléon von Golfe-Juan über Grasse, Digne, Sisteron und Gap bis nach Grenoble zurücklegte, nachdem er, – um die Macht zurückzuerobern -, von Elba kommend beim Küstenort Golfe-Juan gelandet war.

Die Route entspricht der inzwischen für den Fremdenverkehr erschlossenen heutigen französischen Nationalstraße Route Nationale 85, auch RN 85 oder nur N 85.

  • Von Golfe-Juan (im Bild unten der Strand) über Cannes kurz das Tal der Siagne (entlang deren linken oberen Talrand) aufwärts – dann deren Nebenflusstälern von La Mourachonne und Riou Blanquet in Nordrichtung aufwärts folgend, bis in die Stadt Grasse.
Thomas Steiner, CC BY-SA 3.0
  • Ab Grasse in Nordwestrichtung den Col du Pilon (782 m) hinauf – ins Tal des Vallon de la Combe hinunter – den Pas de la Faye (981 m) hinauf (Bild unten) – ins Tal des Vallon de Nans hinunter – und schließlich zum Col de Val Ferrier (1.169 m) hinauf, wo das Einzugsgebiet der Siagne verlassen und jenes der Durance erreicht wird. (Die kleinen Bäche Combe und Nans münden unweit westlich der Route in die Siagne)
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  • Weiter in Nordwestrichtung geht es vom Col de Val Ferrier ins Tal des Artuby hinunter – zum Sattel von Le Mousteiret (1.130 m) hinauf – ins Tal des Jambron hinunter – den Col de Luens (1.054 m) hinauf und in die Stadt Castellane (Bild unten) im Tal des Verdon hinunter. (Jambron und Artuby münden westlich = flussabwärts von Castellane in den Verdon)
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  • Das Verdontal wird in Nordwestrichtung gequert und über den Col des Lèques (1.148 m) der oberste Teil des Tals der Asse erreicht. Dieses flussabwärts bis kurz vor Mezel im mittleren Assetal, dann in Nordrichtung wird über den Col de l’Orme (734 m) ins Nachbartal der Bléone gewechselt und die Stadt Digne-les-Bains (im Bild unten mit der Bléone im Hintergrund) erreicht. In Westrichtung weiter die Bléone abwärts bis zu deren Mündung in die Durance. (Asse und Verdon münden weiter südlich = flussabwärts der Bléonemündung in die Durance)
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  • Von der Bléonemündung geht es von nun ab in Nordrichtung, vorerst das Durancetal hinauf über die Stadt Sisteron bis La Saulce. Dort wird das Durancetal verlassen und über das Rousinetal aufwärts die Stadt Gap (Panotamabild unten) erreicht. Weiter in Nordrichtung wird am Col Bayard (1.248 m) vom Durancegebiet ins Isèregebiet gewechselt. An der Nordauffahrt dieses Passes liegt das Tal des Isère-Zuflusses Drac.
Matism, CC BY-SA 3.0
  • Die Route Napoléon begleitet dessen Flusslauf ca. 90 km weit abwärts bis kurz vor der Einmündung der Bonne, wo sie vom rechten Dracufer hinauf nach Le Mure zum Südende des Plateaus von Matheysine (siehe dazu auch die Ausführungen bei der Passbeschreibung) führt. Dieses Plateau wird in Nordrichtung bis zur auf 920 m Seehöhe gelegenen Ortschaft Laffrey gequert und es erfolgt der Abstieg ins untere Romanchetal nach Vizille (im Bild unten), von wo das Ziel Grenoble nur mehr 15 km entfernt ist. (Die Romanche mündet 5 km weiter westlich in den Drac, kurz bevor dieser das Stadtgebiet von Grenoble passiert und am nordwestlichen Stadtrand in die Isère mündet)
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Die geschilderte Strecke mit einer Gesamtlänge von 335 km bewältigte Napoléons Truppe in einem siebentägigen Gewaltmarsch zwischen dem 1. und 7. März 1815. Der weitere Vormarsch nach Paris gestaltete sich zu einem Triumphzug und es folgte die Herrschaft der 100 Tage, die nach der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815) mit seiner endgültigen Abdankung am 22. Juni 1815 zu Gunsten seines Sohnes Napoléon II, des späteren Herzogs von Reichstadt (im Bild unten), endete.

Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte (frz. Napoléon-François-Joseph-Charles Bonaparte; * 20. März 1811 im Tuilerien-Palast in Paris; † 22. Juli 1832 in Schloss Schönbrunn bei Wien) war der einzige legitime männliche Nachkomme Napoléon Bonapartes; er stammte aus dessen zweiter Ehe mit Marie-Louise von Österreich