Col des Tempêtes (Mont Ventoux)

1.829 m, Préalpes de Provence, Ouvèzegebiet

Dieser Berg gilt als heiliger Berg der Kelten und er zählt neben dem Massif de la Sainte Baume und den Montagne Sainte-Victoire zu den „Drei Heiligen Bergen der Provence“, weshalb er im Rahmen dieser Ausführungen erwähnt wird, obwohl er kein Pass im engeren Sinne ist. Vielmehr führen bloß Bergstraßen zum Gipfel (1.912 m) des Mont Ventoux (im Bild unten), die sich weniger als 100 Höhenmeter unterhalb am Col des Tempêtes vereinigen. Diese gehen von den Talorten Malaucène, Sault und Bédoin aus, die alle an linken Zuflüssen der Ouvèze liegen und deren Talstraßenverbindungen kürzer und bequemer sind als die Bergüberquerung. Der durch Malaucène fließende Groseau ist direkter Ouvèze-Zubringer; der durch Bédoin fließende Mède und die durch Sault fließende Nesque erreichen die Ouvèze über die Sorgue.

Marcus Ostermann, CC BY-SA 3.0

Der Gipfelbereich ist einer der wenigen Orte, von denen man bei sehr gutem Wetter gleichzeitig das Mittelmeer und die höchsten Gipfel der Alpen und der Pyrenäen sehen kann. An seinen Hängen vereinigt der Ventoux alle europäischen Klima- und Vegetationszonen vom Mittelmeer bis Lappland. Eine Besonderheit sind die hier wachsenden Trüffel. Die UNESCO erklärte 1990 den Mont Ventoux zum Biosphärenreservat, um das Überleben der Pflanzenvielfalt zu sichern.

Am 26. April 1336 wurde der Mont Ventoux angeblich von dem Dichter Francesco Petrarca bestiegen. Die Schilderung dieser Besteigung galt lange Zeit als Ausdruck einer neuen Natur- und Landschaftserfahrung, weshalb heute von einigen Forschern diese Bergbesteigung als eines der Schlüsselmomente an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen wird.

Den höchsten Berg dieser Gegend, den man nicht unverdient Ventosus, den Windumbrausten, nennt, habe ich am heutigen Tage bestiegen, einzig von der Begierde getrieben, diese ungewöhnliche Höhenregion mit eigenen Augen zu sehen.

Da hier das Bergsteigen erstmals als Selbstzweck dargestellt wurde, gilt Petrarca`s Besteigung des Mont Ventoux auch als Geburtsstunde des Alpinismus.