Tanaro-Gebiet, Abgrenzung und Flusssystem

Der 276 km lange Tanaro entwässert den der Poebene zugewandten westlichsten Teil des Apenninenhauptkammes zwischen Genua und dem Übergang zum Alpengebiet am Colle di Cadibona, sowie den gesamten in den Ligurischen Alpen und den Seealpen liegenden, dem Inneren Alpenbogen zugewandten Abschnitt des westlichen Alpen-hauptkamms vom Colle di Cadibona bis zur nördlich des Grenzpasses Colle della Maddalena gelegenen Tête de Vauclave, die bereits in den Cottischen Alpen liegt.

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Das 8.234 km² große Einzugsgebiet des Tanaro erstreckt sich über Teilgebiete des Piemont und Liguriens. Er entspringt im Alpengebiet, durchfließt im Unterlauf den Westrand des dem Apenninenvorland zuzuzählenden Langhe genannten Hügelgebietes im Weinanbauzentrum des Piemont (Barologebiet) rund um die Städte Alba und Asti und mündet im Poebene genannten Westteil der Oberitalienischen Tiefebene bei Bassignana in den Po (im Bild unten).

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Die rechte Einzugsgebietsgrenze des Tanaro beginnt außerhalb des Alpengebietes im Piemont in der Poebene bei Bassignana und verlässt als Wasserscheide zum östlich benachbarten rechten Po-Nebenfluss Scrivia die Ebene in Südrichtung zwischen den Ortschaften Basaluzzo (149 m) und Novi Ligure (197 m) und steigt zwischen dem Scriviatal im Osten und dem Tal des Torrente Lemme (erreicht über die Orba und die Bormida den Tanaro) zum Apenninengebirge an, wird bei Tassarolo (250 m) und Crenna Superiore (314 m) von Kleinstraßen gequert, nähert sich bei Sottovalle (477 m) dem Grenzgebiet zu Ligurien an, überwindet den Monte Zuccaro (767 m), den Monte Alpe (834 m) und den Passo della Castagnola (578 m, Grenzpass Piemont/Ligurien), passiert innerhalb Piemonts westlich den auf der Regionsgrenze liegenden und in die Scrivia entwässernden Stausee Lago della Busalletta (450 m), überschreitet die Grenze zu Ligurien und erreicht zwischen dem Passo dei Giovi im Osten und dem Passo della Bocchetta im Westen (im Bild unten) die Hauptkammkette des Apennin (und damit die Padanische Wasserscheide), auf der jenseits des Tanarogebietes das Einzugsgebiet der Scrivia (und auch des Po) endet und jenes des Polcevera (mündet in Genua ins Ligurische Meer) beginnt.

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Die ab dort mit der Po-Einzugsgebietsgrenze idente Grenze des Tanarogebietes folgt in Südwestrichtung dem Apenninenhauptkamm, der stets in Küstennähe verläuft, weshalb alle jenseits des Pogebietes vom Hauptkamm zum Ligurischen Meer abfließenden Küstengewässer ebenso kurz wie zahlreich sind. Nur kurz folgt die Po(Tanaro)/Polcevera-Wasserscheide der Regionsgrenze bis zum Monte Taccone (1.113 m), von dem sie in Südwestrichtung innerhalb Liguriens zum Übergang Piani di Praglia (840 m) verläuft und zur Punta Martin (1.001 m) ansteigt, wo jenseits des Po(Tanaro)gebietes das Einzugsgebiet des Polcevera endet und jenes des Leira (mündet bei Voltri ins Ligurische Meer) beginnt. Die Po(Tanaro)/Leira-Wasserscheide erreicht kurz danach den Passo del Turchino (588 m), wo die Autostrada A 26 (Novara-Genova) den Apenninenhauptkamm quert. Weiter in Westrichtung endet sie schließlich am südlich des Passo del Faiallo gelegenen Monte Reixa (1.183 m), wo jenseits des Po(Tanaro)gebietes das Einzugsgebiet des Leira bereits wieder endet und jenes des Lerone (mündet in Cogoleto ins Ligurische Meer) beginnt. Die Po(Tanaro)/Lerone-Wasserscheide endet nach dem Rocca Crocetta (1.100 m) bereits wieder am Bric Resunnou (1.091 m), auf dem jenseits des Pogebietes das Einzugsgebiet des Lerone endet und jenes des Arrestra (mündet ebenfalls bei Cogoleto ins Ligurische Meer) beginnt. Nur kurz als Po(Tanaro)/Arrestra-Wasserscheide verläuft die Padanische Wasserscheide in Westrichtung über die Cima Frattin (1.144 m) und steigt zum Monte Beigua an (1.287 m), östlich dem sie von einer Passstraße gequert wird und auf dem das Einzugsgebiet des Arrestra schon wieder endet und jenes des Teiro (mündet bei Varazze ins Ligurische Meer) beginnt.

Als Po(Tanaro)/Teiro-Wasserscheide verläuft die Padanische Wasserscheide vom Gipfel des Monte Beigua nur 700 m in Westrichtung zum Rocca becciave (1.175 m), auf dem ein 18,5 m hohes Monumentalkreuz steht, von dem aus man die Insel Korsika sehen kann (im Bild unten) und es endet dort jenseits des Pogebietes das Einzugsgebiet des Teiro und es beginnt jenes des Sansobbia, der bei Albisola Marina ins Ligurische Meer mündet. In Westrichtung über den Bric Riondo (859 m) dreht die Po(Tanaro)/Sansobbia-Wasserscheide den rechten Talrand des Sansobbiatales begleitend in Südwestrichtung und verläuft über den Colle del Giovo (516 m) und den Bric Sportiole (890 m) zum Monte San Giorgio (834 m), auf dem jenseits des Pogebietes das Einzugsgebiet des Sansobbia endet und jenes des (bereits auch Alpenwasser führenden) Letimbro beginnt.

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Die Po(Tanaro)/Letimbro-Wasserscheide fällt zum am Talschluss des Letimbrotales gelegenen Colle di Santa Libera (441 m, tiefster Punkt der Hauptkammkette westlich von Genua) ab und erreicht, – von einer Kammstraße begleitet -, in Südrichtung nach 1,7 km den am rechten Talrand des Tanaro-Zuflusses Bormida di Mallare (im Bild unten) gelegenen Scheitelpunkt des die Grenze zwischen den Apenninen und den Alpen bildenden Colle di Cadibona (auch Bocchetta di Altare), an dessen Südostseite der die Apenninen/Alpengrenze bildende Lavanestro entspringt, der im nördlichen Stadtgebiet Savonas von rechts in den Letimbro mündet.

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Die Grenzziehung zwischen Alpen- und Apenninengebiet (Linie Savona-Colle di Cadibona-Ceva) hat kulturhistorische und verkehrstechnisch beeinflusste Wurzeln. Schon zur Römerzeit wurde der niedrigste Abschnitt der die Ligurische Küste begleitenden ununterbrochenen Kamm- und Gipfelkette als Grenze gesehen, zumal es dort am wenigsten beschwerlich war, von der Küste in die Oberitalienische Tiefebene zu gelangen. Der gemäß neuzeitlichen Messungen tatsächlich tiefste Punkt ist zwar der Colle di Santa Libera (441 m), jedoch ist dieser Sattel unzugänglich und als Verkehrsübergang ungeeignet, weshalb von den Römern eine die Bergkette überwindende Straße (ein Abzweig der entlang der Küste verlaufenden Via Aurelia) über die 1,7 km weiter südlich gelegene, heute Colle di Cadibona oder Bocchetta di Altare genannte Passhöhe (im Bild unten) bauten, zumal jenseits dieses Überganges auf dem kürzesten Weg zur Poebene nicht den dortigen Flussläufen durch teils enge Täler abwärts gefolgt werden muss, sondern nur seichte Talschaften, nämlich jene der drei Bormidaquellflüsse und des Tanaro gequert werden müssen, um die Poebene bei der heutigen Stadt Ceva zu erreichen. Nur zwischen Savona und der Passhöhe folgt die Alpen/Apenninen-Grenze natürlichen topographischen Gegebenheiten, nämlich den Flussläufen von Letimbro und Lavanestro aufwärts.

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Die topographisch-logische Fortsetzung der Grenzziehung wäre es, jenseits des Colle di Cadibona den Flussläufen von Bormida di Mallare, Bormida di Spigno und Bormida abwärts bis zur Einmündung in den Tanaro -, und sodann weiter diesem bis zu seiner Einmündung in den Po zu folgen. Jedoch gilt gemäß vorherrschender Lehrmeinung die Strecke vom Colle di Cadibona bis Ceva, – sei es als gedachte geometrische (und somit künstliche) Linie, oder dem Verlauf der alten Regionalstraße SP 29 über die Kleinpässe Colle di Cosseria und Colle di Montezemolo folgend -, als Grenze zwischen Alpen- und Apenninengebirge, was dazu führt, dass die Bormida-Quellflüsse (rechte Tanaro-Zuflüsse), der Tanaro selbst und sein linker Nebenfluss Stura di Demonte in ihren Unterläufen von Alpen- zu Apenninenflüssen werden und die (weder dem Alpen-, noch dem Apenninengebiet zuzuordnende) Poebene auch schon oberhalb (südlich) von Turin das Apenninenvorland vom Alpenvorland bzw. Alpengebiet trennt.

von Verlauf der Einzugsgebietsgrenze des Tanaro im Alpengebiet
bis
Colle di Cadibona (Alpengebietsgrenze)

Noch im Scheitelbereich des Colle di Cadibona wird die Pogebietsgrenze zur Po(Tanaro)/Quiliano-Wasserscheide, danach zur Po(Tanaro)/Crovetto-Wasserscheide und passiert in der Folge (siehe Ausführungen im Vorkapitel Ligurisches Küstengebiet) als Grenzlinie zu den Einzugsgebieten der Küstenflüsse Rio Pora, Maremola, Varaita und Centa die Übergänge Colle del doppio bivio, Colle del Melogno, Giogo di Toirano, Colle Scravajon, Colle di San Bernardo di Garessio, Colle di Caprauna, Colle di Nava und Colla San Bernardo di Mendatica und erreicht die französische Grenze am Monte Saccarello, auf dem jenseits des Pogebietes das Einzugsgebiet der Centa endet und jenes der Roya beginnt.

Ab dem Monte Saccarello (2.200 m) folgt der Alpenhauptkamm und damit die Einzugsgebietsgrenze des Tanaro der Staatsgrenze (zugleich Grenze zwischen der italienischen Region Piemont und der französischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur), fällt in Nordrichtung zum an der Ligurischen Grenzkammstraße (siehe Bild unten) liegenden Passo di Tanarello (2.042 m) ab, passiert westlich die Quellen des Tanaro-Hauptquellbaches Tanarello und wird damit von der rechten zur linken Einzugsgebietsgrenze des Tanaro, steigt als solche zum Monte Bertrand (2.481 m) an, dreht an der Punta Marguareis (2.681 m, höchster Berg der Ligurischen Alpen) in Westrichtung und erreicht über den Testa Ciaudon (2.386 m) den Colle di Tenda.

Colle di Tenda
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