Colle del Lis und der Flussverlauf der Dora Riparia und des Po bis zur Einmündung der Stura di Lanzo

1.314 m, Alpi Graie, Dora Riparia/Stura di Lanzo

Von der im unteren Susatal gelegenen Ortschaft Villar Dora (367 m) führt eine kleine Bergstraße in Nordrichtung über die Ortschaft Rubiana (700 m) zum auch Colle del Lys genannten Scheitelpunkt dieses Übergangs, jenseits dem sie ins Tal der Stura di Viù hinunter führt und nach insgesamt 28 km die Ortschaft Viù (785 m), den Hauptort des Val di Viù erreicht.

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Die beiden Täler sind westlich dieses Übergangs auch über den Col del Colombardo, über den allerdings nur eine Schotterstraße führt, miteinander verbunden.

Wasserscheide  Dora Riparia – Pox Stura di Lanzo – Po
Abflüsse  Torrente Messa – Dora Riparia – Po Torrente di Bertesseno – Stura di Viù – Stura di Lanzo – Po
Mündung  Adriatisches Meer
von Verlauf der Einzugsgebietsgrenze der Dora Riparia
bis
Colle del Lis Die Dora Riparia/Stura di Lanzo-Wasserscheide steigt zum Monte Arpone an (1.602 m), dreht in Südostrichtung, verläuft über Truc del Faro (1.206 m) und Monte Curt (1.325 m) zum Monte Musinè (1.150 m, im Bild unten), von dem sie über den Monte Calvo (550 m) und das nördliche Ortsgebiet von Pianezza (350 m) ins nördliche Stadtgebiet von Turin abfällt und endet. Turin
I, F Ceragioli, CC BY-SA 3.0

Der Flussverlauf der Dora Riparia

Als Hauptquellbach der Dora Riparia gilt die La Doire, die in den Cottischen Alpen in Frankreich in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur nahe dem innerfranzösischen ins Rhônegebiet führenden 1.854 m hohen Alpenhauptkammpass Colle del Monginevro (frz: Col de Montgenèvre) auf rund 2.500 m Seehöhe zwischen den Alpenhauptkammgipfeln Mont Chenaillet (2.650 m) und Mont Gimont (Grenzberg zu Italien), sowie dem knapp nördlich der Alpenhauptkammkette gelegenen Sommet de la Loubatière (ebenfalls Grenzberg zu Italien) entspringt, von der Passhöhe in Westrichtung ins Susatal abfällt, auf diesem Weg nach 2 km am Westrand der italienischen Grenzortschaft Claviere (1.760 m) die Grenze zu Italien überschreitet, den Namen Piccola Dora annimmt, von links den ebenfalls aus Frankreich kommenden Rio Secco aufnimmt und den Talgrund des Susatales nach weiteren 4 km bei der Ortschaft Cesana Torinese (1.354 m) erreicht.

Ccmpg, CC BY-SA 4.0

Sie vereinigt sich mit dem von Süden kommenden, kurz vorher aus dem Zusammenfluss der Gebirgsbäche Ripa della valle Argentera und Thuras di Busson (auch kurz Thures genannt) entstandenen Torrente Ripa zur Dora Riparia. Beide genannten Quellbäche entspringen ebenfalls am Alpenhauptkamm, und zwar der Thures am Grenzberg Punta Ramiere (3.303 m) und der kurz auch nur Ripa genannte Argentera weiter südlich am Grand Queyron. Die Quelle des letztgenannten Baches, der über zahlreiche Wasserfälle (siehe Bild unten) den Talgrund des Valle Argentera erreicht, von dessen Talausgang eine Straße über den Colle di Sestriere ins Chisonetal und somit ins Pellicegebiet führt, ist die mündungsfernste Quelle der Dora Riparia. Diese fließt ab Cesana Torinese in Nordrichtung, nimmt von beiden Seiten meist unbewohnte Hochtäler entwässernde Bäche auf und erreicht nach 11 km die Ortschaft Oulx (1.100 m), nach der sie von links ihren größten Nebenfluss, die Dora di Bardonecchia aufnimmt und es erreichen dort auch die aus Frankreich kommenden und durch die Fréjus-Tunnel führenden Hauptverkehrswege das Susatal.

Die fast 15 km lange Dora di Bardonecchia entsteht im westlich von Oulx gelegenen und 4 km von der französischen Grenze entfernten Ort Bardonecchia (westlichste Gemeinde Italiens, im Bild unten) auf 1.250 m Seehöhe durch den Zusammenfluss der Gebirgsbäche Rio Guiau, der im Oberlauf Stretta (frz: Ruisseau de la Vallée Étroite) heißt, Rho, Fréjus und Rochemolles.

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Das Valle Stretta (frz: Vallée étroite) gehört seit dem Friedensvertrag von Paris 1947 zu Frankreich und ist eines der 3 (neben den Quellgebieten des Quellbaches La Doire und der Cenischia) im Inneren Alpenbogen liegenden französischen Territorien. Die Staatsgrenze quert dieses westlichste Tal des Inneren Alpenbogens an dessen Talausgang östlich des innerfranzösischen Alpenhauptkammpasses Colle della Scala (frz: Col de l’Echelle, 1.762 m), der in Südrichtung dieses Tal mit dem Vallée de la Clarée (Rhônegebiet) verbindet. Der am Talschluss des Val Rho gelegene Rocca Bernauda (3.226 m, frz: Roche Bernaude, im Bild unten) ist der westlichste Punkt Italiens (45° 6′ 11″ N, 6° 37′ 32″ E).

Nick l’Ermite, CC BY-SA 1.0

Durch das Val Fréjus, an dessen Talschluss die beiden Fréjus-Tunnel (Eisenbahnlinie Rom-Turin-Paris, und Autobahn A 32 Turin-Lyon) liegen, führen die aus Turin durch das Susatal führenden Hauptverkehrsrouten nach Frankreich ins Rhônegebiet. Durch das Valle di Rochemolles führt eine Bergstraße, die später in eine Schotterpiste übergeht, auf den nördlich von Bardonecchia liegenden bereits erwähnten Alpenhauptkammgipfel Punta Sommeiller (höchster mit einem mehrspurigen KFZ offiziell anfahrbaren Punkt der Alpen). Begleitet von Bahn und Autobahn passiert die Dora di Bardonecchia die 7 km unterhalb (östlich) von Bardonecchia gelegenen Ort Beaulard (1.175 m) und mündet nach weiteren 7 km nördlich von Oulx (im Bild unten) in die Dora Riparia (1.080 m).

Igurupu, CC BY 2.5

Die ab Oulx allmählich in Ostrichtung drehende das Val di Susa durchfließende Dora Riparia passiert die Ortschaften Exilles (870 m) und Chiomonte (750 m) und erreicht nach 20 km die Stadt Susa (503 m), den Hauptort des gleichnamigen Tales, in der von Norden die aus Frankreich (Region Auvergne-Rhône-Alpes) kommende und die Cottischen Alpen von den Grajischen Alpen trennende Cenischia einmündet, durch deren Tal eine Straße über den innerfranzösischen Alpenhauptkammpass Colle del Moncenisio (frz: Col du Mont Cenis, 2.083 m) ins Tal des Isère-Zuflusses Arc (Maurienne) und somit ins Rhônegebiet führt.

Hier sei einschiebend festgehalten, dass die Cenischia, der Bardonecchiaquellbach Stretta und die in Frankreich La Doire genannte Piccola Dora (Hauptquellbach der Dora Riparia) die einzigen französischen Bäche sind, die (über Dora Riparia und Po) in die Adria entwässern.

Von Susa führt in Südrichtung die Ostauffahrt zur Assietta-Kammstraße auf den Colle delle Finestre, von wo allerdings nur geschotterte Übergänge über zahlreiche Pässe ins parallel südlich verlaufende Chisonetal führen.

Im Norden wird die Stadt Susa von dem östlich des Colle del Moncenisio gelegenen und somit bereits zu den Grajischen Alpen gehörenden Rocciamelone (3.538 m) um etwa 3.000 Höhenmeter überragt, weswegen dieser lange Zeit als höchster Berg der Alpen galt. Die Erstbesteigung erfolgte im Mittelalter durch Bonifacio Rotario d`Asti in Form einer Wallfahrt als Dank dafür, der Sklaverei bei den Türken entkommen zu sein. In Erinnerung an den Erstbesteiger heißt die Schutzhütte auf 2.854 m Seehöhe an der Südflanke des Rocciamelone (Normalanstieg) Rifugio Cà d`Asti (im Bild unten im Vordergrund). Am Gipfel stehen heute eine Marienstatue und eine Kapelle, die höchstgelegene der Alpen. Die Wallfahrt zur Madonna delle Nevi findet jedes Jahr am 5. August statt. Zu diesem Zweck wird von den Wallfahrern ein Sack Sand von der Hütte auf den Gipfel getragen. Der Gipfel bietet eine einmalige Aussicht, die weite Teile der französischen Alpen und den gesamten lombardisch-piemontesischen Alpenbogen umfasst. Von den Ligurischen Alpen und Monte Viso im Süden über den Mont Blanc, den Gran Paradiso und den Monte Rosa im Norden bis zur Bernina und zum Adamello im Nordosten.

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Die ab Susa stets in Ostrichtung fließende und nunmehr selbst die Gebietsgrenze zwischen den Grajischen Alpen (Nordufer) und den Cottischen Alpen bildende Dora Riparia passiert u.a. die Orte Bussoleno (440 m) und Borgone Susa (394 m) und erreicht nach 33 km die Stadt Avigliana, vor der von Norden der Torrente Messa zufließt (341 m), durch dessen Tal eine Straße über den Col del Lis (Beschreibung oben) ins Einzugsgebiet der Stura di Lanzo führt. In Avigliana verlässt eine Straße in Südrichtung das Susatal und führt über den Colle Braida ins Sangonetal. Die Dora Riparia erreicht 15 km weiter östlich bei Alpignano (330 m) den Talausgang des Val di Susa und nach weiteren 10 km das Stadtgebiet von Turin, passiert das Stadtzentrum und mündet in den Po.

Nach Einmündung der Dora Riparia fließt dem Po kaum einen Kilometer später noch im Stadtgebiet Turins beim Parco della Confluenza von links die Stura di Lanzo zu (215 m).