Flussverlauf des Rhein

Die in folgender Verlaufsbeschreibung vergrößert und fett hervorgehobenen Verkehrsübergänge bzw. Passhöhen liegen innerhalb des alpinen Teiles des deutschen Teiles des Einzugsgebietes des Rhein.

Der Rhein entspringt in der Schweiz in den zu den Westalpen gehörenden Lepontinischen Alpen im Kanton Graubünden. Als Rheinquelle gilt der Tomasee (2.345 m), von dem der Rein da Tuma in Nordostrichtung abfließt und als Vorderrhein die Ostauffahrt des die Lepontinischen Alpen von den Glarner Alpen trennenden Oberalppass erreicht, in Ostnordostrichtung dreht und als Grenze zwischen den Lepontinischen Alpen (rechtes Ufer) und den Glarner Alpen das Surselva genannte oberste Vorderrheintal (im Bild unten die Region Brigels-Waltensburg-Andiast) durchfließt, bis ihm nach 20 km bei der Ortschaft Disentis/Mustér (1.130 m) von Süden der vom Lukmanierpass kommende Rin da Medel zufließt, dessen im Kanton Tessin gelegene Quelle die mündungsfernste Quelle eines Rheinzuflusses ist.

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Der Vorderrhein durchfließt nach weiteren 30 km die bis zu 400 m tiefe und 13 km lange Rheinschlucht Ruinaulta (im Bild unten die dortige Rheinschleife), die er bei der zur Gemeinde Tamins gehörenden Ortschaft Reichenau (604 m) wieder verlässt und ihm von Süden der die Lepontinischen Alpen von den Rätischen Alpen trennende und damit die Westalpen/Ostalpen-Grenze bildende Hinterrhein zufließt und sich mit diesem zum Alpenrhein vereinigt.

Adrian Michael, CC BY 2.5

Der nunmehr selbst zur Westalpen-/Ostalpengrenze zwischen den Rätischen Alpen und den Glarner Alpen (linkes Ufer) gewordene Alpenrhein erreicht nach rund 30 km die Ortschaft Landquart, bei der von Osten der gleichnamige Fluss einmündet und nach der er bis zur linksseitig gelegenen, die Glarner Alpen von den Appenzeller Alpen trennenden Talebene von Sargans auf einer Strecke von rund 12 km zur Kantonsgrenze zwischen Graubünden (rechtes Ufer) und St. Gallen -, und anschließend für 41 km zur Staatsgrenze zwischen der Schweiz (Kanton St. Gallen, linkes Ufer) und Liechtenstein (rechtes Ufer) wird.

Neptuul, CC BY-SA 3.0; Blick von der Liechtensteiner Ortschaft Triesenberg auf den Alpenrhein

Stets in Nordrichtung passiert der unterhalb von Sargans die Grenze zwischen den Appenzeller Alpen (linkes Ufer) und den Rätischen Alpen bildende Alpenrhein bei Bangs (westlichster Ort Österreichs) das in der Flussmitte gelegene Dreiländereck Schweiz/Liechtenstein/Österreich, das zugleich der nördlichste Punkt Liechtensteins und der westlichste Punkt Österreichs ist, und nimmt kurz danach als nunmehriger Grenzfluss zwischen Österreich (Bundesland Vorarlberg, Ostufer) und der Schweiz (Kanton St. Gallen, Westufer) von rechts beim sogenannten Illspitz (im Bild unten) die die Rätischen Alpen vom Bregenzerwald trennende Ill auf (429 m).

C.m.b, CC BY-SA 3.0

Nunmehr als Grenze zwischen den Appenzeller Alpen (Westalpen) und dem Bregenzerwald (Ostalpen) tritt der Alpenrhein bei Oberriet in die Rheintalebene ein, passiert, – ein kurzes Stück innerhalb der Schweiz verlaufend -, die 12 km weiter flussabwärts gelegene Schweizer Grenzortschaft Diepoldsau im Westen, wird nördlich von Diepoldsau wieder zum Grenzfluss (410 m), tritt 7 km später bei St. Margrethen (406 m) am Beginn seines teils unter Naturschutz stehenden Mündungsdeltas (im Bild unten) auf österreichisches Staatsgebiet über (Bundesland Vorarlberg) und mündet nach 4 km in der im östlichsten Abschnitt des Südufers des Obersee genannten Teiles des Bodensees gelegenen Fußacher Bucht in den Bodensee (396 m).

Ulrich prokop, CC BY-SA 3.0

Am Ostufer (rund 1,5 km östlich der Alpenrheinmündung) mündet die den Bregenzerwald von den Allgäuer Alpen trennende Bregenzer Ach ein und führt damit dem Rhein erstmals aus deutschem Alpengebiet stammendes Wasser zu.

Die 80 km lange Bregenzer Ach ist ein innerösterreichischer im Bundesland Vorarlberg in grundsätzlicher Nordwestrichtung fließender Alpenfluss, dessen 385 km² großes Einzugsgebiet den Nordteil des Lechquellengebirges, den südlichen (teilweise in Bayern gelegenen) Westteil der Allgäuer Alpen sowie große Teile des nördlichen Bregenzerwaldes umfasst. Nur die Quellen und die obersten Bachläufe einiger rechter (nördlicher) Zuflüsse liegen in Bayern, weshalb die Bregenzer Ach auch aus Deutschland stammendes Wasser mit sich führt und ihr Einzugsgebiet nicht nur Gebiete Vorarlbergs, sondern auch kleine Gebietsstreifen Bayerns umfasst. Sie entspringt in Vorarlberg im Lechquellengebirge nahe dem Hochtannbergpass und wird im Unterlauf ab dem nördlichen Zufluss der Subersach (509 m) unterhalb von Egg zum Grenzfluss zwischen den Allgäuer Alpen (rechtes Ufer) und dem Bregenzerwald.

Die 25 km lange Subersach ist der erste Nebenfluss der Bregenzer Ach, der dieser aus Deutschland stammendes Wasser zuführt. Sie entspringt innerhalb Österreichs in den Allgäuer Alpen auf 1.700 m Seehöhe am Nordwesthang des westlich des Hohen Ifen gelegenen Hählekopfes (2.058 m), fließt in Nordrichtung und nimmt nach 8 km von links den die Allgäuer Alpen vom Bregenzerwald trennenden Schönenbach auf, wird selbst zum Grenzfluss der genannten Gebirgsgruppen und nimmt nach weiteren 7 km südwestlich von Sibratsgfäll (im Bild unten) von Osten die aus den Allgäuer Alpen kommende Rubach auf, die südöstlich von Sibratsgfäll aus der Vereinigung des von Norden kommenden Grenzbaches Fugenbach mit dem von Osten aus Bayern aus dem Rohrmoostal vom Westfuß des (bereits beschriebenen) Kontinentalwasserscheidepasses Rohrmoossattel kommenden Schönbach entstanden ist. Die Subersach dreht nach dem Rubachzufluss in Westrichtung und mündet von rechts in die Bregenzer Ach.

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Unterhalb der Subersachmündung durchfließt die Bregenzer Ach bis Kennelbach ein schluchtartiges über 20 km langes Engtal, in dem ihr von rechts nach rund 10 km die Weißach (465 m) und nach weiteren 4 km die Rotach (460 m) zufließen.

Die 32 km lange Weißach entspringt in Bayern in den Allgäuer Alpen an der Kontinentalwasserscheide südwestlich von Immenstadt auf 1.430 m Seehöhe und durchfließt in Westrichtung das Ehrenschwangertal (im Bild unten) bis Weißach, einem südlichen Vorort der Gemeinde Oberstaufen. Über den auf der Kontinentalwasserscheide gelegenen östlichen Vorort Hinterstaufen führen Verkehrswege zum Großen Alpsee und ins Illertal. Von Weißach führen in Nordrichtung Straßen über den Hauptort Oberstaufen in den obersten Abschnitt des Tales der Oberen Argen -, und in Westrichtung über die Passhöhe Paradies in den unteren Abschnitt des Tales der Oberen Argen.

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Die Weißach verlässt in Südwestrichtung Oberstaufen, nimmt von links den Grenzbach Littebach auf und überschreitet bei Aach im Allgäu die Staatsgrenze zu Österreich, nach der ihr nach 5 km von Osten die 29 km lange Bolgenach zufließt, die ebenfalls in Deutschland, und zwar in den Allgäuer Alpen am Riedbergerhorn auf 1.340 m Seehöhe entspringt, die Westauffahrt des Kontinentalwasserscheidepasses Riedbergpass begleitend Balderschwang (1.044 m, im Bild unten) passiert, bei Lappach nach Österreich übertritt (1.003 m), das Balderschwanger Tal durchfließt und schließlich unterhalb des Sulzberges die Weißach erreicht, die ihrerseits nach 6 km in die Bregenzer Ach mündet.

Varus111, CC BY 3.0

Die 17 km lange Rotach entspringt in Bayern im Gemeindegebiet von Scheidegg (im Bild unten) auf 764 m Seehöhe. Sie entsteht durch Zusammenfluss mehrerer Quellbäche und heißt ab der Gemeinde Weiler-Simmerberg Rotach. Von ihrem Quellgebiet führen in Westrichtung Verkehrswege über die Übergänge Scheidegg und Riedhirsch ins Tal der Leiblach, und in Nordrichtung über Oberreute ins Tal der Oberen Argen.

Die Rotach verlässt Weiler-Simmerberg (632 m, im Bild unten) in Südrichtung, wird nach linksseitigem Zufluss des Grenzbaches Eugenbach selbst kurz zum Grenzfluss zwischen Österreich (linkes Ufer) und Deutschland, tritt bei der rechtsseitigen Einmündung des Grenzbaches Kesselbach gänzlich nach Österreich (Vorarlberg) über (545 m), passiert die Ortschaft Eschau, von der eine Straße über die innerösterreichische Passhöhe Sulzberg ins östlich benachbarte Weißachtal führt, und stürzt durch eine Schlucht zur Bregenzer Ach hinunter.

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Die Bregenzer Ach tritt nach Kennelbach in die Rheintalebene ein und mündet als Gemeindegrenze zwischen Bregenz (rechtes Ufer) und Hard in der Bregenzer Bucht in den Obersee genannten Teil des Bodensees.

Im nördlich der Bregenzer Ach-Mündung gelegenen Stadtgebiet der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz erreichen nur vom Bregenzer „Hausberg“ Pfänder abfließende innerösterreichische Kleinbäche (Thalbach, Tannenbach, Ruggbach) den Bodensee. Erst mit dem Grenzbach Leiblach, der beim Ortsteil Zech der bayerischen Bodenseestadt Lindau im Nordteil des Ostufers in den Bodensee mündet, erreicht wieder aus deutschem Alpengebiet stammendes Wasser den Rhein.

Die 33 km lange Leiblach entspringt in Bayern im Gemeindegebiet von Heimenkirch (im Bild unten) auf 692 m Seehöhe im voralpinen Südwestteil der Allgäuer Alpen, von wo über den Sattel von Riedhirsch Verkehrswege ins Tal der Rotach und somit ins Einzugs-gebiet der Bregenzer Ach führen. In Westrichtung erreicht sie nach 5 km die Ortschaft Hergatz, von wo Straßen und eine Bahnlinie in Nordrichtung über die Anhöhe Schreckelberg nach Baden-Württemberg ins Argental führen.

Michielverbeek, CC BY-SA 3.0

Nach dem in Südwestrichtung schluchtartig vertieften Mittellauf erreicht die Leiblach bei Burgstall (450 m) von links ihr größter Nebenfluss, der die deutsch/österreichische Grenze bildende Rickenbach, aus dessen Quellgebiet über Scheidegg ebenfalls eine Straße ins Rotachtal führt. Hier beginnt der Unterlauf der Leiblach und sie wird selbst bis zur Bodenseeeinmündung zum Grenzfluss zwischen Deutschland (rechtes Ufer) und Österreich. Sie durchfließt vorerst ein bewaldetes Tal und erst im untersten Abschnitt berührt die österreichische Ortschaft Hörbranz (425 m) ihr linkes Ufer. Nach Oberhochsteg (420 m) wird sie von der Pfänderstraße A 14, der Fortsetzung der Deutschen Autobahn A 96, die dort endet, überquert, und sie mündet zwischen der Vorarlberger Ortschaft Leiblach und der bayerischen zur Stadt Lindau gehörenden Ortschaft Zech in den Bodensee, nachdem sie kurz vorher noch von der Bodensee-Uferstraße B 190 überbrückt worden ist (im Bild unten).

http://de.wikipedia.org/wiki/Lindau_(Bodensee)

In Zech beginnt der deutsche Abschnitt des Bodenseeufers, der sich von dort entlang des gesamten Nordufers bis zum am Westende des Sees gelegenen Austritt des Hochrheins erstreckt. Nur die östlichsten 10 km des deutschen Bodensee(Obersee)ufers mit den Städten Lindau (im Bild unten) und Wasserburg gehören zu Bayern -, der Rest zu Baden-Württemberg. Östlichster Bodenseezufluss innerhalb Baden-Württembergs und zugleich westlichster dem Rhein aus dem Kerngebietes der Allgäuer Alpen stammendes Wasser zuführender Fluss (die weiter westlich das Nordufer erreichenden alpinen Bodenseezuflüsse entwässern nur Teilgebiete des Schwäbischen Alpenvorlandes) ist die Argen, die bei der am Nordufer gelegenen Ortschaft Langenargen in den Bodensee mündet.

Edda Praefcke, CC BY 2.5

Die 23 km lange Argen entsteht durch den Zusammenfluss der Oberen und der Unteren Argen südwestlich der Baden-Württembergischen Kreisstadt Wangen im Allgäu. Die beiden Quellflüsse vereinigen sich nahe der Ansiedlung Goppertsweiler auf 489 m Seehöhe (im Bild unten die Untere Argen von rechts kommend). Die Quellgebiete beider Flüsse liegen in den Allgäuer Alpen in Bayern auf rund 1.000 m Seehöhe.

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Die Obere Argen entsteht in Bayern im sumpfigen Gebiet nordwestlich von Oberstaufen im Allgäu aus dem Zusammenfluss des Seelesgrabens, des Moosmühlbaches und des Schwarzenbaches (780 m), von wo über die Kontinentalwasserscheideübergänge Kalzofen und Hinterstaufen Verkehrswege nach Immenstadt ins Illertal und über Oberstaufen ins Einzugsgebiet der Bregenzer Ach führen. Vom Quellgebiet des Moosmühlbaches führt eine Straße über das Paradies nach Weißach, einem südlichen im Einzugsgebiet der Bregenzer Ach liegenden Ortsteil von Oberstaufen. Nach Vereinigung der drei Quellbäche nördlich von Oberstaufen fließt die Obere Argen in Nordrichtung durch den sogenannten Eistobll (im Bild unten), eine begehbare Schlucht, vor der ihr von Osten bei Ebratshofen von rechts der Fischbach zufließt, durch dessen Tal eine Straße über das Finzenried ins Tal der Unteren Argen führt.

Oliver Gärtner, CC BY-SA 3.0

Nach der Talenge des Eistobels unter der 230 m langen und 56 m hohen Argentobelbrücke hindurch (im Bild unten) dreht die Obere Argen in Westrichtung, passiert die Ortschaft Gestraz (629 m) und wird danach zum Grenzfluss zwischen Bayern (Südufer) und Baden-Württemberg. Nach Eglofstal (590 m) mündet bei der Staudachmühle von Süden der Tobelbach ein (575 m), von dessen Quellgebiet über Oberreute eine Straße ins Einzugsgebiet der Bregenzer Ach führt.

ANKAWÜ, CC BY-SA 3.0

Danach tritt die Obere Argen in Südwestrichtung drehend gänzlich nach Baden-Württemberg über, durchfließt die südlichen Stadtteile von Wangen im Allgäu, von der in Südrichtung Verkehrswege über die Anhöhe Schreckelberg nach Bayern ins Leiblachtal führen, passiert Neuravensburg (510 m, im Bild unten mit Burgruine), wird von der Autobahn A 96 (Abschnitt Leutkirch-Lindau) überquert und vereinigt sich kurz danach mit der Unteren Argen zur Argen.

© cdu-neuravensburg.de

Die 69 km lange Untere Argen entsteht aus dem Zusammenfluss des Börlasbaches und des Stixnerbaches, durch deren Täler über die Kontinentalwasserscheideübergänge Stixner Joch und Diepolz Straßen ins Illergebiet führen, auf etwa 850 m Seehöhe am westlichen Ortseingang von Missen (im Bild unten) im bayerischen Allgäu, von wo sie zunächst in Nordrichtung fließt. Nach 7 km passiert sie die Ortschaft Sibratshofen (781 m), von der in Westrichtung eine Straße über das Finzenried ins Tal der Oberen Argen führt, und es fließt ihr 1 km später in der Ortschaft Seltmans (761 m) von Osten der von Hellengerst (ebenfalls ein Kontinentalwasserscheidenübergang ins Illergebiet) kommende Weitnauer Bach zu.

Flodur63, CC BY-SA 4.0

Weitere 4,5 km flussabwärts überschreitet die Untere Argen die Grenze zu Baden-Württemberg und es fließt ihr bei Kleinweiler von Osten die Wengener Argen zu (740 m), durch deren Tal über Schwarzerd ebenfalls eine Straße die Kontinentalwasserscheide passiert und ins Illertal führt. Die ihr rechtes Ufer ereichende Adelegg begrenzend passiert die Untere Argen in Westrichtung drehend die Stadt Isny (im Bild unten mit der Adelegg im Hintergrund) zuerst im Osten und dann im Norden und es fließt ihr nach weiteren 20 km südlich von Merazhofen der aus dem Gemeindegebiet von Leutkirch im Allgäu (Kontinentalwasserscheideübergang ins Illergebiet) kommende Mühlbach zu (640 m). In Südwestrichtung drehend und die Autobahn A 96 (Abschnitt Leutkirch-Lindau) begleitend passiert sie nördlich die Stadt Wangen im Allgäu und erreicht südwestlich dieser den Vereinigungspunkt mit der Oberen Argen zur Argen.

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Die Argen durchfließt in Westsüdwestrichtung über 10 km bis Langnau (450 m) ein bewaldetes Tal, dreht bei Laimnau (425 m) in Südwestrichtung und erreicht nach 10 km den Obersee.

Von den zahlreichen westlich der Argenmündung von Norden in den Obersee bzw. in dessen Nebenbucht Überlinger See einmündenden Alpenvorlandflüssen werden im folgenden nur jene Flussläufe näher beschrieben, deren Einzugsgebiet die nördlich des Bodensees verlaufende Europäische Kontinentalwasserscheide berühren und aus deren Talschaften (bereits beschriebene) die Kontinentalwasserscheide querende Verkehrsübergänge ins Einzugsgebiet der Donau führen. Es sind dies die Schussen (Mündung 6 km nordwestlich der Argenmündung bei Eriskirch im Eriskircher Ried, im Bild unten), die Rotach (Mündung bei Friedrichshafen am Westrand des Eriskircher Rieds), die Linzer Aach (Mündung in Unteruhldingen am Eingang des Überlinger Sees) und die Stockacher Aach (Mündung am Westende des Überlinger Sees).

Mit 62 km ist die Schussen der längste Fluss des voralpinen deutschen Rheineinzugsgebietes. Von ihrer Quelle (577 m, im Bild unten), die nicht weit vom an der Kontinentalwasserscheide gelegenen Federsee entfernt rund 1,5 km nördlich von Bad Schussenried liegt, fließt die Schussen meist südwärts. Durch Talschaften ihrer linken Zuflüsse (Wolfegger Ach, Steinach, Hühler Ach) führen die Kontinentalwasserscheide passierende Straßen in Täler von Donauzuflüssen, und zwar über Leutkirch-Hundhöfe ins Illertal, über Mattenhaus-Bad Waldsee ins Rißtal und über Lampertsweiler ins Schwarzachtal. Südlich von Aulendorf passiert die Schussen ein enges Tal im Nordteil des Altdorfer Walds, den Schussentobel bei Durlesbach, aus dem sie bei Mochenwangen in das weite Schussenbecken tritt. Dort fließt sie an den Städten Weingarten (485 m) und Ravensburg (450 m) vorbei, bevor sie bei Eriskirch (400 m) im Eriskircher Ried in den Obersee mündet.

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Die kaum 40 km lange Rotach entsteht bei Wilhelmsdorf (620 m) im Landkreis Ravensburg, von wo über die Kontinentalwasserscheideübergänge Pfrunger-Burgweiler Ried und Höchsten Straßen in die Täler der Donauzuflüsse Ostrach und Ablach führen. Sie durchfließt unter anderem den Harttobel bei Horgenzell und Oberteuringen (451 m), bis sie schließlich nach Friedrichshafen (im Bild unten) kommt, wo sie östlich des Stadtkerns als westliche Grenze des Eriskircher Rieds in den Obersee mündet. Ihr Einzugsgebiet ist 130 km² groß.

Themenmixer auf flickr.com, CC BY-SA 2.0

Die 52 km lange Linzer Aach, deren Quellgebiet ebenfalls auf der nördlich verlaufenden Donau/Rhein-Wasserscheide liegt, entspringt auf 640 m Seehöhe in Herdwangen im Landkreis Sigmaringen. Aus ihrem Quellgebiet führt eine Straßen über Pfullendorf ins Einzugsgebiet des Donauzuflusses Ablach. Unterhalb Schönachs (605 m) tritt sie ins Naturschutzgebiet Aachtobel (im Bild unten) ein. Danach durchfließt sie das Salemer Tal und wird Salemer Aach genannt.

© bodensee-linzgau.de

Wenige hundert Meter nordöstlich des Weilers Wehausen mündet die aus Nordrichtung kommende Deggenhauser Aach, aus deren Tal über den Höchsten ebenfalls eine Straße ins Donau(Ablach)gebiet führt, in die Linzer Aach (430 m). Anschließend macht sie bei Ahausen (415 m), wo sie auch Hintere Aach genannt wird, einen langgestreckten Rechtsbogen, um schließlich überwiegend westwärts zu fließen. In ihrem Unterlauf und im Mündungsbereich auch Seefelder Aach genannt verläuft die Linzer Aach nach Uhldingen-Mühlhofen, wo sie im Naturschutzgebiet Seefelder Aachmündung den Überlinger See erreicht. Gegenüber ihrer Mündung liegt die Blumeninsel Mainau (im Bild unten die Italienische Wassertreppe), einer Touristenattraktion, die im Besitz der schwedisch stämmigen Adelsfamilie Bernadotte steht.

Harke, CC BY-SA 3.0

Die 25 km lange Stockacher Aach entsteht aus einer Bifurkation der Mindersdorfer Aach nordöstlich von Schwackenreute in 620 m Seehöhe. Die Mindersdorfer Aach entwässert dort auch in die Ablach, die Richtung Norden zur Donau fließt. Auf ihrem Weg zum Überlinger See passiert die Stockacher Aach Hopetenzell (550 m), Zizenhausen (500 m), Hindelwangen, Stockach (491 m, im Bild unten), Nenzingen (437 m), Wahlwies (425 m) und Espasingen.

Der Rhein passiert in Westrichtung den Obersee genannten Bodenseeteil, dessen Südufer in den Schweizer Kantonen St.Gallen und Thurgau liegt, verlässt diesen als Seerhein bei der deutschen Stadt Konstanz zwischen den Stadtteilen Petershausen (Nordufer) und den am Südufer (und somit im Westalpengebiet des den Appenzeller Alpen nördlich vorgelagerten Hügelgebietes) gelegenen Stadtteilen Altstadt und Paradies. Die im Bild unten im Vordergrund erkennbare Alte Konstanzer Rheinbrücke markiert einerseits den Beginn (östlichsten Punkt) des Seerheins, und andererseits auch den Beginn (km 0,0) der Rheinkilometrierung.

© User: popeyeka – Fotolia

Der Seerhein wird nach 2 km zum Grenzfluss zwischen der Schweiz (Südufer, Kanton Thurgau) und Deutschland (Baden-Württemberg) und mündet nach insgesamt 4,3 km in den 30 cm tiefer gelegenen Untersee genannten Teil des Bodensees, der westlich vom Schweizer Kanton Schaffhausen begrenzt wird, dessen Südufer im Gebiet des Schweizer Kantons Thurgau liegt und an dessen zu Deutschland gehörenden Nordufer die Radolfzeller Aach einmündet. Der Rhein verlässt den Untersee bei der sich an beiden Ufern erstreckenden Schweizer Kleinstadt Stein am Rhein (Kanton Schaffhausen, im Bild unten) als Hochrhein, in den 5 km weiter unterhalb im Gemeindegebiet von Ramsen von Norden als letzter nennenswerter aus deutschem (Vor)Alpengebiet stammendes Wasser führender Fluss die Biber einmündet (394 m).

Hansueli Krapf, CC BY-SA 3.0

Die Radolfzeller Aach entspringt in Baden-Württemberg in der Kleinstadt Aach im auf 475 m Seehöhe gelegenen Aachtopf, der größten Quelle Deutschlands (im Bild unten). Das Wasser der Aach kommt aus einer Karsthöhle, das zu etwa einem Drittel aus den Donauversinkungen zwischen Immendingen und Möhringen sowie bei Fridingen stammt. Danach durchfließt sie als Hegauer Aach den Hegau und zahlreiche Naturschutzgebiete. Sie fließt erst in südlicher Richtung, dann nach Osten und wird erst in ihrem Unterlauf Radolfzeller Aach genannt.

Hubert Berberich (HubiB), CC BY 3.0

Der Unterlauf verläuft auf den letzten 6 km im Naturschutzgebiet Radolfzeller Aachried. Die Mündung befindet sich zwischen Radolfszell am Bodensee und Moos im Zeller See genannten Nordwestteil des Untersees. Die Radolfzeller Aach entwässert ein Einzugsgebiet von 261 km². Rechnet man aufgrund des Aachtopfes das Einzugsgebiet der Donau vor der Versinkung dazu, entwässert sie an den Vollversickerungstagen der Donau ein Einzugsgebiet von 1.560 km².

Travus, CC BY-SA 3.0

Die Quellbäche der 24 km langen Biber entspringen in Baden-Württemberg rund um den Bisberg bei Watterdingen (nahe der deutschen Stadt Tengen) auf über 700 m Seehöhe. Der Bisberg gehört zu den Ostausläufern des zum Juragebirge gehörenden Randen, d. h. der Fluss ist zwar nicht alpinen Ursprungs, jedoch durchquert er die zum Voralpenland zählende Kulturlandschaft des überwiegend in Deutschland liegenden Hegau. Nach Watterdingen (630 m) fließt die Biber durch die Altstadt von Blumenfeld (570 m) und stürzt sich beim Blumenfelder Wasserfall (im Bild unten) in die Tiefe.

© fotocommunity/Ber.Ger

Nach Büßlingen (480 m) überquert sie die Grenze zur Schweiz. Kurz hinter dem schweizerischen Thayngen (437 m) verlässt die Biber zunächst wieder die Schweiz und fließt durch Bietingen (429 m) und Randegg (420 m), die beide Ortsteile der deutschen Gemeinde Gottmadingen sind. In diesem Abschnitt ihres Flusslaufs erreichen sie von rechts und links zahlreiche kleine Voralpenbäche. Die letzten Kilometer fließt die Biber durch den oberen Kantonsteil des Kantons Schaffhausen. Bei der Bibermühle mündet die Biber schließlich auf dem Gemeindegebiet von Ramsen in der Schweiz in den Hochrhein.

Im Bereich der Bibermündung bildet der Hochrhein die Kantonsgrenze zwischen Schaffhausen (Nordufer) und Thurgau, danach die Staatsgrenze zu Deutschland (Nordufer, Baden-Würtemberg), wird abermals kurz zur Grenze Schaffhausen/Thurgau, um dann bis zum Ostrand der Kantonshauptstadt Schaffhausen die Deutsche Exklave Büsingen (im Bild unten), deren Ostrand das westlichste deutsche (Vor)Alpengebiet ist, südlich zu begrenzen.

Dietrich Michael Weidmann, CC BY-SA 3.0

Als Kantonsgrenze zwischen Schaffhausen (Nordufer) und Zürich wird der Hochrhein im Stadtgebiet von Schaffhausen kurz vor der nordseitigen Einmündung der den Juragebirgsstock Randen östlich begrenzenden Durach (390 m) zur Alpengebietsgrenze (trennt die zum Juragebiet gehörenden Randen-Ausläufer am rechten Ufer vom Schweizer Voralpengebiet), dreht in Südrichtung, überwindet den berühmten Rheinfall (im Bild unten) und wird wieder zum Grenzfluss zwischen Deutschland (rechtes Ufer) und der Schweiz (Kanton Zürich).

Mh-rockt, CC BY-SA 3.0

Nach fast 20 Flusskilometern tritt der Hochrhein auf Schweizer Staatsgebiet als Kantonsgrenze zwischen Zürich (linkes Ufer) und einer Exklave Schaffhausens über, nimmt von links die aus den Appenzeller Alpen kommenden Flüsse Thur (345 m) und Töss (343 m) auf, dreht in Westrichtung, tritt kurz ins Gebiet des Kantons Zürich ein, wird danach wieder zur Staatsgrenze zwischen Deutschland (Nordufer) und der Schweiz, nimmt von Süden die im Unterlauf die Ostausläufer des Lägeren (östlichster Bergstock des Schweizer Jura) von den westlichsten Ausläufern des den Appenzeller Alpen vorgelagerten Hügelgebietes trennende und somit die Alpengebietsgrenze bildende Glatt auf (335 m) und verlässt danach das Alpengebiet.

Nach rechtsseitiger Aufnahme der aus dem Südschwarzwald vom Titisee kommenden Wutach bei der deutschen Stadt Waldshut-Tengen (315 m), gegenüber der auf der Schweizer Seite der Kanton Aargau beginnt, erreicht den Hochrhein bei der Aargauer Kleinstadt Koblenz von Süden die Aare (311 m, im Bild unten mit der Aare im Vordergrund) und führt dem Rhein letztmalig aus Alpengebiet stammendes Wasser zu, und zwar in großen Mengen.

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Mit 288 km Länge ist die Aare der längste innerschweizer Fluss. Ihr 17.709 km² großes Einzugsgebiet umfasst 43% des gesamten Schweizer Staatsgebietes. Mit einem mittleren Abfluss von 560 m³/s ist sie der wasserreichste Nebenfluss des Rhein, der selbst beim Zusammenfluss deutlich weniger Wasser, nämlich im mittleren Jahresdurchschnitt nur 439 m³/s führt, weshalb aus hydrologischer Sicht der Hochrhein ein Nebenfluss der Aare ist (und nicht umgekehrt).

Ab der 40 km weiter westlich gelegenen Stadt Rheinfelden wird der Rhein zu einem bis zur Nordsee schiffbaren Fluss und es beginnt rund 6 km weiter flußabwärts am Südufer das Gebiet des Schweizer Kantons Basel-Landschaft. Bei der weitere 6 km flussabwärts gelegenen Ortschaft Birsfelden tritt der Hochrhein noch einmal gänzlich auf Schweizer Staatsgebiet über und wird bis zur südlichen Einmündung der die Kantonsgrenze Basel-Landschaft/Basel-Stadt bildenden Birs (246 m) auf einer Strecke von 500 m zur Kantonsgrenze zwischen Basel-Stadt (Nordufer) und Basel-Landschaft. Nach der Birsmündung tritt der Hochrhein ins Stadtgebiet von Basel und zugleich in den Kanton Basel-Stadt über, dreht in Nordrichtung und wird zum Grenzfluss zwischen Frankreich (linkes Ufer) und der Schweiz. Als solcher erreicht er die Einfahrt zu dem auf Schweizer Seite gelegenen Dreiländereckhafen. Nördlich der Hafeneinfahrt liegt in der Strommitte das Dreiländereck Frankreich/Deutschland/ Schweiz (im Bild unten die raketenähnliche Skulpzur).

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Der Fluss passiert als Oberrhein das Dreiländereck, verlässt endgültig das Schweizer Staatsgebiet und tritt als Grenzfluss zwischen Frankreich (linkes Ufer) und Deutschland in die Oberrheinische Tiefebene ein.

Ulamm – File:Rhein-Karte.png by Daniel Ullrich (Threedots), CC BY-SA 3.0

Die rund 350 km lange und bis zu 40 km breite Oberrheinische Tiefebene wird auf der deutschen Ostseite vom Schwarzwald begrenzt. Auf französischer Seite bildet vorerst der Burgunder Pforte genannte Durchbruch zum Rhônegebiet zwischen Juragebirge und Vogesen -, und anschließend die Vogesen selbst den Westrand der Oberrheinischen Tiefebene. Vom Schwarzwald fließen dem Rhein südlich und nördlich von Freiburg im Breisgau zahlreiche Kleinbäche und unterhalb des auch als Weinbaugebiet bekannten isoliert aus der Ebene aufragenden Kaiserstuhls (557 m, im Bild unten) u. a. bei Schwanau die 93 km lange Elz (193 m) und bei Kehl-Auenheim (134 m) die ebensolange Kinzig zu. Dazwischen liegt gegenüber der französischen Stadt Straßburg die deutsche Große Kreisstadt Kehl (139 m).

© taome.de

Von Westen mündet unterhalb Basels bei Niffer (232 m) der Rhein-Rhône-Kanal und erst nördlich von Straßburg im Gebiet der Gemeinde Offendorf die 217 km lange Jll ein (127 m), die im Jura im Grenzgebiet zur Schweiz entspringt, entlang des Westrandes der Oberrheinischen Tiefebene die Vogesen östlich begrenzend und teilweise parallel zum Rhein die Städte Mühlhausen, Colmars und Straßburg (im Bild unten) durchfließt und der Grund dafür ist, dass den Oberrhein unterhalb von Basel keine nennenswerten linken Zuflüsse erreichen, da die Jll sämtliche von den Ostabhängen der Vogesen sich in die Oberrheinische Tiefebene ergießende Flüsse (Largue, Doller, Thur, Lauch, Fecht Giessen, Breusch etc.) sozusagen einfängt.

jjmusgrove, CC BY-SA 2.0

Im Gebiet der knapp 50 km unterhalb von Rheinau am rechten Rheinufer gelegenen Stadt Rheinstetten verlässt die Staatsgrenze den Flusslauf des Rheins in Westrichtung und der Oberrhein tritt, – als Grenzfluss der Deutschen Länder Rheinland-Pfalz (linkes Ufer) und Baden-Württemberg -, gänzlich auf deutsches Hoheitsgebiet über, passiert die Städte Karlsruhe (rechtes Ufer) und Speyer (linkes Ufer) und erreicht schließlich die am linken Ufer gelegene Stadt Ludwigshafen, in deren am rechten Ufer gelegenen „Zwillingsstadt“ Mannheim von rechts der 367 km lange Neckar von rechts zufließt (95 m, im Bild unten der Neckar im Vordergrund), der im Schwarzwaldgebiet an der Europäischen Hauptwasserscheide bei Villingen-Schwenningen auf jener Baar genannten Hochebene entspringt, auf der auch das Schloss von Donaueschingen liegt, in dessen Schlosspark sich die Donau(bach)quelle befindet. Der Neckar entwässert den zentralen Teil des Landes Baden-Württemberg (über 14.000 km²) und passiert die Ballungsräume rund um die Städte Stuttgart, Heilbronn und Heidelberg.

© 2019 Stadt Mannheim

Knapp 20 km nördlich von Mannheim endet am rechten Rheinufer das Gebiet von Baden-Württemberg und der Oberrhein wird zur Landesgrenze zwischen Hessen (rechtes Ufer) und Rheinland Pfalz. Rund 35 km weiter nördlich verlässt der Fluss den Oberrheingraben und durchfließt das Mainzer Becken, in dessen Zentrum nach rund 12 km am linken Rheinufer Mainz, die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz, liegt. Gegenüber der Altstadt von Mainz mündet zwischen den zu Hessen gehörenden Mainzer Vorstädten Ginsheim-Gustavsburg und Mainz-Kostheim der 527 km lange Main ein (82 m, im Bild unten), in den (bei Hallstatt) der Rhein-Main-Donaukanal einmündet und dessen Quellgebiet an der Europäischen Hauptwasserscheide im Fichtelgebirge nahe jenem Punkt liegt, an dem sich die Einzugsgebiete des Schwarzmeerzuflusses Donau und jene der beiden Nordseezuflüsse Rhein und Elbe treffen. Die untersten 388 km des Main, an dem u. a. die Ballungsräume Würzburg, Offenbach und Frankfurt liegen, haben (wie auch der Rhein selbst auf seiner gesamten 695 km langen innerhalb Deutschlands verlaufenden Flussstrecke) den Status einer Deutschen Bundeswasserstraße.

Fritz Geller-Grimm, CC BY-SA 2.5

Am nördlichen Stadtrand von Mainz dreht der Rhein bei der am rechten Ufer gelegenen hessischen Hauptstadt Wiesbaden in Westrichtung und erreicht nach 25 km die gegenüber von Rüdesheim am linken Ufer gelegene Stadt Bingen, in der von Süden die 125 km lange Nahe einmündet (79 m), deren Binger Loch (im Bild unten) genannte Engstelle des Rhein im Mündungsbereich als Übergang vom Oberrhein zum Mittelrhein gilt.

Hasehirn, CC BY-SA 3.0

Der Mittelrhein dreht wieder in Nordrichtung und tritt ins Rheinische Schiefergebirge ein. Bei der 10 km flussabwärts gelegenen Ortschaft Lorch verlässt die Landesgrenze in Nordostrichtung das Rheintal und der Mittelrhein tritt ins Gebiet von Rheinland-Pfalz über. Zwischen den Schiefergebirgsgruppen Hunsrück (linkes Ufer) und Taunus fließend passiert der Mittelrhein nach 16 km St. Goarshausen, wo er den Loreleyfelsen umfließt und 25 m tief ist, erreicht nach 30 km die Stadt Lahnstein (im Bild unten das Wirtshaus an der Lahn, der angebliche Schauplatz der Wirtinnenverse) und 8 km weiter die Universitätsstadt Koblenz. Der Talbereich zwischen Rüdesheim und Koblenz zählt zum UNESCO-Welterbe-Oberes Mittelrheintal.

Holger Weinandt, CC BY-SA 3.0 de

In Lahnstein mündet von Osten die 246 km lange Lahn ein (61 m), die im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen entspringt und nach ihrem Grenzübertritt nach Rheinland-Pfalz den Taunus im Süden vom nördlich gelegenen Westerwald trennt. Bei der Deutsches Eck genannten künstlich als Touristenattraktion errichteten Landzunge im Zentrum von Koblenz mündet von links die 544 km lange Mosel ein (59 m, im Bild unten die Mosel im Vordergrund, dahinter die Festung Ehrenbreitstein am rechten Rheinufer), die in Frankreich (Region Grand Est) in den Vogesen entspringt, im Mittellauf die Grenze Deutschland/Luxemburg bildet, den Großteil des Großherzogtums Luxemburg entwässert, nach Deutschland (Rheinland-Pfalz) übertritt und im als Weinbaugebiet bekannten Unterlauf den Hunsrück von der nördlich gelegenen Eifel trennt.

Holger Weinandt , CC BY-SA 3.0 de

Nunmehr den Westerwald im Osten von der Eifel im Westen trennend passiert der Mittelrhein nach 50 km die durch die 1945 zerstörte Ludendorff-Brücke (Brücke von Remagen) bekannt gewordene Kleinstadt Remagen, tritt nach weiteren 8 km bei Bad Honnef nach Nordrhein-Westfalen über, passiert Bad Godesberg und erreicht ins Norddeutsche Tiefland übertretend die Stadt Bonn (von 1949 bis 1990 Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland), an deren Nordrand südlich von Mondorf von rechts die 155 km lange Sieg zufließt (45 m, Mündung im Bild unten mit Mondorfer Hafen), die wie die Lahn im Rothaargebirge an der Rhein/Weser-Wasserscheide entspringt und deren Mündungsbereich als Übergang vom Mittelrhein zum Niederrhein gilt.

Wolkenkratzer, CC BY-SA 3.0

Danach durchfließt der Niederrhein den größten Ballungsraum Deutschlands, die Metropolregion Rhein-Rhur, in dem er die Städte Köln, Leverkusen, Düsseldorf und Krefeld passiert und nach 90 km die Hafenstadt Duisburg (größter Binnenhafen Europas) erreicht, in der ihm von Osten die 219 km lange für die Region namensgebende Ruhr zufließt (20 m, im Bild unten), die wie Lahn und Sieg ebenfalls im Rothaargebirge (Nordwesthänge) entspringt und auf ihrem Weg die Städte Dortmund, Hagen, Bochum, Essen, Mülheim und Oberhausen passiert.

© Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0

Allmählich in Westrichtung drehend erreicht den Niederrhein 30 km unterhalb von Duisburg bei Wesel von Osten die 220 km lange Lippe (18 m), die am westlichen Fuß des auf der Rhein/Weser-Wasserscheide gelegnen Eggegebirges auf 134 m Seehöhe entspringt, stets in Südwestrichtung stark mäandernd fließt und die Städte Paderborn, Lippstadt, Hamm, Werne, Lünen, Haltern am See und Dorsten passiert. Der Niederrhein überschreitet nach 40 km bei der Hansestadt Emmerich am Rhein (17 m) die Staatsgrenze zu den Niederlanden (13 m, Provinz Gelderland) und es beginnt unmittelbar nach dem Grenzübertritt bei Millingen aan de Rijn die Deltabildung durch Teilung des Stromes in Waal (Südarm, im Bild unten rechts) und Nederrijn.

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Aus Verständnisgründen sei hier festgehalten, dass, – obgleich Nederrijn übersetzt Niederrhein bedeutet -, dieser in den Niederlanden gelegene Flusslauf (der später Lek heißt) bloß einer von mehreren Mündungsarmen ist und nicht gleichzusetzen ist mit dem bis hierher beschriebenen Niederrhein genannten innerhalb Deutschlands verlaufenden Abschnitt des Rhein-Hauptstroms. Der in den Niederlanden gelegene Flussabschnitt des Rheins wird auch Deltarhein genannt.

Rund 4 km nach der Teilung des Rhein-Hauptstroms in Millingen aan de Rijn zweigt bei Arnheim (Hauptstadt von Gelderland) vom Nederrijn durch natürliche Bifurkation die IJssel (auch Geldersche Ijssel) in Nordrichtung ab (9 m, im Bild unten), die nach 123 km nahe Zwolle (Hauptstadt der Provinz Oberijssel) ins Ijsselmeer (größter Süßwassersee der Niederlande) mündet. Die eigentliche Mündung des IJsselwassers ins offene Meer der Nordsee erfolgt durch die beiden Tidesperrweke (Stevinsluizen und Lorentzsluizen) des Abschlussdeiches. Die Ijssel unterscheidet sich von den übrigen Deltaarmen des Rheins dadurch, dass sie nach der Verzweigung keinen Kontakt mehr mit den anderen Mündungsarmen hat.

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Der Nederrijn fließt nördlich parallel zur Waal (Hauptmündungsarm des Rhein) in West-richtung, heißt ab der südöstlich von Utrecht gelegenen Ortschaft Wijk bij Duurstede (Provinz Utrecht) Lek, der sich danach bei Nederlek (Provinz Südholland) mit dem von der Waal kommenden Noord zur Nieuwe Maas vereinigt, die die Stadt Rotterdam passiert, deren Hafen (im Bild unten der Rijnhaven) auch von Schiffen mit 24 m Tiefgang angefahren werden kann.

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Die Waal fließt von Millingen in Westrichtung bis Dordrecht (Provinz Südholland), wo der bereits erwähnte Noord genannter Mündungsarm rechts zum Nederrijn bzw. Lek abzweigt und erreicht schließlich die die Grenze zwischen den Provinzen Südholland und Nordbrabant bildende Nordseebucht Hollands Diep (im Bild unten), in die auch der Hauptstrom der Maas einmündet und die seit 1970 durch das Schleusensystem der Deltawerke vom offenen Meer abgetrennt ist. Üblicherweise wird das Wasser des Hollands Diep, das sich allmählich zu einem Süßwassersee wandelt, über das Schleusensystem kontrolliert in die Nordsee eingeleitet.

© rijkswaterstaat.nl

Die Deltawerke dienen allerdings nicht nur der Sturmflutabwehr, sondern auch dem Wassermanagement des Hafens von Rotterdam, weshalb die Sperrwerke des Hollands Diep bei Rhein-Niederwasser geschlossen bleiben. Der dadurch entstehende (durch den Maaszufluss verstärkte) Rückstau der Waal bewirkt, dass über die erwähnten weiteren Mündungsarme (Noord, Lek) entsprechend mehr Wasser von der Waal abgegeben und über die Nieuve Maas dem Rotterdamer Hafen (nach Shanghai und Singapur drittgrößter Hafen der Welt) zugeführt und dieser ausreichend mit Wasser dotiert wird. Dieses Rhein- und Maaswasser erreicht über den knapp 20 km langen Nieuwe Waterweg, der auch von Hochseeschiffen mit großem Tiefgang befahren werden kann, barrierefrei beim Küstenstädtchen Hoek van Holland (heute ein Stadtteil Rotterdamms, im Bild unten) das offene Meer der Nordsee und somit den Atlantik.

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