RÄTISCHE ALPEN (Ostalpen), Bergamasker Alpen und Gardaseeberge

Die Rätischen Alpen (15) werden zwischen dem Splügenpass und dem Reschenpass vom Alpenhauptkamm durchlaufen. Ihr Gebiet erstreckt sich sowohl auf Gebiete des Inneren-, als auch des Äußeren Alpenbogens. Die Kontinentalwasserscheide trennt sich am Lunghinpass bei St. Moritz von Alpenhauptkamm und Alpenhauptwasserscheide und tritt auf der Bielerhöhe (Österreich) in die Verwallgruppe über.

Diese Gebirgsgruppe verteilt sich auf 4 Staaten. Das Kerngebiet und der Westrand liegen in der Schweiz (Kanton Graubünden). Der Südteil und der Ostrand liegen in Italien (Regionen Lombardei und Trentino-Südtirol). Der Nordteil liegt in Österreich in den Bundesländern Vorarlberg und Tirol. In der Nordwestecke des Gebietes liegt das gesamte Staatsgebiet des Fürstentums Liechtenstein im Gebiet des Rätikons, einer Untergruppe der Rätischen Alpen.

Luca Bergamasco, CC BY 3.0

Die Westgrenze verläuft entlang des Comoseeufers zwischen Adda- und Meramündung (im Bild unten) zu den Luganer Alpen (11, siehe dort), zu den Lepontinischen Alpen (10, siehe dort) vom Comosee bis Tamins, zu den Glarner Alpen (13, siehe dort) bis Sargans und zu den Schweizer Voralpen (14) von Sargans bis zur Illeinmündung in den Rhein.

© Panoramio

Die Nordgrenze der Rätischen Alpen zu den nördlichen Kalkalpengruppen (21 und 22) folgt laut SOIUSA innerhalb Vorarlbergs dem Flusslauf der Ill in Ostrichtung aufwärts bis Bludenz. Dort verlässt sie das Illtal und verläuft das Klostertal aufwärts über den Arlberg (Grenze zu Tirol) und danach das Stanzertal und das Tal der Sanna abwärts bis zu deren Einmündung in den Inn.

Zwischen dem Arlberg im Norden und der Bielerhöhe im Süden (von der in Westrichtung die Ill und in Ostrichtung die sich später mit der Rosanna zur Sanna vereinigende Trisanna abfließen) liegt die Verwallgruppe, die gemäß der SOIUSA-Grenzziehung Teil der Rätischen Alpen ist. Demgegenüber sieht die AVE-Einteilung, der in diesem Punkt im Rahmen gegenständlicher Ausführungen gefolgt wird, die Verwallgruppe als eigenständige Gebirgsgruppe.

Die Nordgrenze der Rätischen Alpen gemäß dieser Definition verläuft somit von der Illeinmündung in den Alpenrhein Ill-aufwärts bis Bludenz zum Bregenzerwald (22) und Lechquellengebirge (21), von Bludenz über die Bielerhöhe bis Pians zur Verwallgruppe, und von Pians bis Landeck zu den Lechtaler Alpen.

Die unterschiedlichen Lehrmeinungen bezüglich der Nordgrenze der Rätischen Alpen betreffen somit bloß die Zuordnung eines kleinen, von keinen Verkehrswegen durchquerten und exakt definierten Gebietes, dessen Abgrenzung unumstritten ist, wodurch sich die diesbezüglichen Streitfragen auf „akademisches“ Niveau mit kulturhistorischen Aspekten reduzieren.

Anders verhält es sich jedoch hinsichtlich der Ausdehnung der Rätischen Alpen in Ost- und Südrichtung samt Definition und Benennung der zuzuordnenden Gebiete und Gebirgsgruppen. Gemäß SOIUSA werden die Rätischen Alpen auch in einen Westteil (15) und einen Ostteil (16), der sich über Ötztaler, Stubaier und Sarntaler Alpen erstreckt, eingeteilt.

Die italienische Sichtweise gemäß CAI (Club Alpino Italiano) wiederum kennt zwar keine West-Ostteilung der Rätischen Alpen, jedoch werden auch die südlich des Unteren Veltlins gelegenen Bergamasker Alpen (29, Beschreibung folgt unten), die östlich der Etsch gelegenen Ötztaler Alpen und Sarntaler Alpen (nicht die Stubaier Alpen), sowie die östlich des Oberen Veltlins zwischen Adda und Etsch gelegenen Gebirgszüge der Ortler Alpen, der Nonsbergruppe, der Brentagruppe und der Presanella/Adamellogruppe (28, im Bild unten) den Rätischen Alpen zugezählt.

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Das AVE-Einteilungsschema deckt sich einigermaßen mit dem laut SOIUSA als Westliche Rätische Alpen definierten Gebiet (15), jedoch werden die gemäß SOIUSA als Untergruppen definierten Gebirgsgruppen mit teilweise divergierenden Abgrenzungen als eigenständige Gebirgsgruppen gesehen. Das zuletzt im Jahr 1984 modifizierte AVE-Schema unterteilt dieses Gebiet in 11 Gruppen (Rätikon, Silvretta, Samnaun, Sesvana, Platta, Sobretta, Ortler-, Livigno-, Albula-, Plessur- und Bernina-Alpen), kennt jedoch den Begriff Rätische Alpen nicht mehr.

In der Schweiz erfolgt die Benennung von Gebirgsgruppen meist aus politischen Aspekten, weshalb dort die auf Schweizer Staatsgebiet liegenden Teile der Rätischen Alpen, zumal diese ausschließlich im Kanton Graubünden liegen, als Bündner Alpen definiert werden.

Im Zuge dieser Ausführungen werden die Gebiete 15 (exklusive Verwallgruppe) und 28 der am Beginn dieses Kapitels abgebildeten Karte als Rätische Alpen definiert, d. h. es wird die Etsch als Ostgrenze gesehen und, – der italienischen Sichtweise teilweise folgend -, Ortler Alpen, Nonsberg-, Brenta- und Presanella/Adamellogruppe den Rätischen Alpen zugezählt. Hingegen werden die genannten östlich der Etsch liegenden Gebirgsgruppen (Ötztaler-, Stubaier- und Sarntaler Alpen), sowie die am südlichen Alpenrand liegenden Bergamasker Alpen (29) und die Gardaseeberge (30, Beschreibung folgt unten) als eigenständige Gebirgsgruppen gesehen………..und damit „basta“.

Demnach verläuft die Ostgrenze des Gebietes von Landeck bis Trient und zwar von Landeck das Inn- und Stillebachtal aufwärts über Nauders bis zum Reschenpass und danach die Etsch abwärts bis Trient. Dieser Ostgrenzenverlauf trennt die Rätischen Alpen zwischen Landeck und Meran von den Ötztaler Alpen, zwischen Meran und Bozen von den Sarntaler Alpen und zwischen Bozen und Trient von den Fleimstaler Alpen.

Landeckli CC BY 3.0, Landeck bei der Einmündung der von Westen kommenden Sanna (rechts) in den Inn (linker Bildrand)

Die Südgrenze zwischen dem Comosee und Trient, – vorerst zu den Bergamasker Alpen (29) -, verläuft ab dem Comosee entlang der Insubrische Linie; also von der Addamündung bei Colico das Veltlin über Sondrio (ab wo die Periadriatische Naht Tonalelinie genannt wird) aufwärts bis Tresenda und von dort weiter in Ostrichtung über den Apricapass und das Val di Córteno abwärts bis Edolo im Valcamonica. Während die Tonalelinie von dort in Nordrichtung das Valcamonica aufwärts zum Tonalepass verläuft, folgt die Südgrenze der Rätischen Alpen dem Valcamonica abwärts bis zum Nordufer des Iseosees und, – ab dort als Grenze zu den Gardaseebergen (30) -, weiter in Ostrichtung über den Colle di San Zeno, das Val Trompia und den Passo del Maniva zum Nordufer des Idrosees. In Nordostrichtung den Judikarien folgend verläuft sie über den Col Pradibondo bis Tione di Trento ins Tal der Sarca, und sodann in Ostrichtung das Sarcatal über das Cadineplateau verlassend und dem Torrente Vela abwärts folgend bis Trient.

© Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0 DE; Piz Palü und Piz Cambrena (links), davor der Persgletscher von der Bergstation der Diavolezza aus gesehen

Filmgeschichte wurde in dem zu den Rätischen Alpen zählenden Berninamassiv (einzige Gebirgsgruppe der Ostalpen über 4.000 m) geschrieben. Der in dieser Gruppe in der Alpenhauptkammkette liegende Berg Piz Palü ist Handlungsort des im Jahre 1929 entstandenen deutschen Stummfilmes Die weiße Hölle vom Piz Palü (damaliges Filmplakat im Bild unten) nach dem Drehbuch des deutschen Bergfilmpioniers Arnold Franck, der auch, – gemeinsam mit der österreichischen Regielegende Georg Wilhelm Papst -, Regie führte.

Bundesarchiv, Bild 102-13954 / CC-BY-SA 3.0

Mit diesem Film, in dem neben Leni Riefenstahl in der Hauptrolle auch das deutsche Jagdfliegeridol Ernst Udet in einer Nebenrolle mitwirkte, gelang Franck der internationale Durchbruch und es gilt dieser Film, dessen Außenaufnahmen von Jänner bis Juni 1929 tatsächlich in Schneegebieten des Berninamassives stattfanden, seither als Geburtsstunde des cineastischen Bergdramas schlechthin. Die Naturaufnahmen der Berge und Gletscher, Schneestürme und Lawinen gelangen so gut, dass selbst Fachleute nicht an ihrer Echtheit zweifelten. 1930 wurde unter dem Titel The White Hell of Piz Palü eine englische Tonfilmfassung hergestellt. Der Film wurde 1935 gekürzt (Szenen mit jüdischen Schauspielern wurden entfernt) und zu einer Tonfassung mit illustrativer Musik von Giuseppe Becce umgearbeitet. Ein Remake des Films entstand 1950 mit dem Titel Föhn mit Hans Albers und Liselotte Pulver.

 

Bergamasker Alpen (Ostalpen, Innerer Alpenbogen)

Die Bergamasker Alpen liegen südlich des Alpenhauptkamms innerhalb Italiens am südlichen Alpenrand in der Region Lombardei. Der höchste Berg ist der südlich von Sondrio gelegene Pizzo di Coca (3.052 m).

Geiserich77, CC BY 3.0

Die Westgrenze zu den Luganer Alpen (siehe dort) verläuft von Paderno d`Adda bis Colico. Die Nord- und Ostgrenze zu den Rätischen Alpen (siehe oben) verläuft von Colico bis zum Nordufer des Iseosees. Der östlich des Iseosees gelegene südlichste Teil der den Rätischen Alpen zuzuordenden Adamellogruppe wird im Rahmen gegenständlicher Ausführungen den Gardaseebergen zugeordnet, weshalb der Iseosee die Grenze zu den Gardaseebergen (Beschreibung folgt unten) bildet.

Die Südgrenze der Bergamasker Alpen zwischen dem Südufer des Iseosees und Paderno d`Adda zur Poebene ist gleichzeitig Alpengebietsgrenze. Die im Lago d`Iseo gelegene Insel Monte Isola (im Bild unten) ist die größte Insel (9 km Umfang) eines Binnengewässers in ganz Südeuropa.

A. at, CC BY-SA 3.0

 

Gardaseeberge (Ostalpen, Innerer Alpenbogen)

Die Gardaseeberge liegen südlich des Alpenhauptkamms innerhalb Italiens am südlichen Alpenrand in den Regionen Lombardei, Trentino-Südtirol und Venezien. Der höchste Berg ist der nordwestlich des Gardasees gelegene Monte Cadria (2.254 m).

Geiserich77, CC BY 3.0

Die Westgrenze zu den Bergamasker Alpen (siehe oben) bildet der Iseosee. Die Grenze zu den nördlich gelegenen Rätischen Alpen (siehe ganz oben) verläuft vom Nordufer des Iseosees bis Trient. Die Etsch bildet im Stadtgebiet Trients bis zur Fersenbachmündung zu den Fleimstaler Alpen -, und danach bis Verona zu den Vizentiner Alpen die Ostgrenze. Die Südgrenze zwischen Verona und dem Südufer des Iseosees zur Poebene ist gleichzeitig Alpengebietsgrenze.