Wiener Pforte

161 m, Wienerwald, Donaudurchbruch durch den Alpenhauptkamm

Die Wiener Höhenstraße endet am Leopoldsberg als Sackgasse. Von dort fällt das Gelände steil zur Donau ab. Einzige direkte Verbindung ins Donautal ist ein an der südlichen Ecke des Abhangs ins Kahlenbergerdorf führender Treppenweg („Nasenweg“). Jeder Pflichtschüler der Bundeshauptstadt Wien begeht diesen Nasenweg mindesten 1 x im Laufe seines Schullebens anlässlich eines Schulausfluges bzw. „Wandertages“, wobei die sportliche Ambition der begleitenden Lehrerschaft darüber entscheidet, in welche Richtung dieser Steig bewältigt wird.

Wiener Pforte auf einem Stich von 1679; links Leopoldsberg (mit Bergnase) und Kahlenbergerdorf; rechts der Bisamberg

Die durch das Donaukraftwerk Freudenau dort aufgestaute Donau durchbricht bei der Wiener Pforte zwischen Leopoldsberg (im Bild unten rechts) und Bisamberg auf einer Seehöhe von rund 161 m (max. Stauhöhe 161,35 m) die Alpen und tritt in die Ebene des Wiener Beckens ein.

© Harald Hartmann

An beiden Donaufern gibt es Straßen- und Bahnverbindungen. Am linken (nördlichen) Donauufer am Rande des Bisambergs verläuft zusätzlich noch die Donauuferautobahn A 22.

Blick vom Nasenweg auf das Kahlenbergerdorf; © Bwag/Wikimedia

Im Bild oben links ist die Donauinsel erkennbar, die zwischen dem Hauptstrom der Donau, von dem kurz vor der ersten im Bild sichtbaren Brücke rechts der Donaukanal abzweigt (im Bild nicht sichtbar), und der linksseitig gelegenen sogenannten Neuen Donau liegt. Die Donauinsel ist eine 21,1 km lange und bis zu 250 m breite künstliche Insel, die zwischen 1972 und 1988 aus Hochwasserschutzgründen errichtet worden ist und seither als Naherholungsgebiet genutzt wird. Im Hintergrund sind die UNO-City und der 252 m hohe Donauturm zu erkennen. Auf diesem befinden sich in 150 m Höhe (im Bild unten) eine Aussichtsterasse (zeitweise mit Bungee-Jumping-Plattform), sowie ein Cafe und ein Restaurant.

Wladyslaw Sojka/Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Zur gleichen Zeit wurde auch der 18 km lange Marchfeldkanal fertiggestellt, dem im Durchbruchsbereich am linken Donauufer Donauwasser zugeführt wird, womit der linksseitig der Donau gelegene niederschlagsarme Marchfeld genannte Teil der Ebene des Wiener Beckens bewässert wird, der auch als Kornkammer Wiens bezeichnet wird. Der Kanal verläuft entlang der Südost- und Ostabhänge des Bisamberges (=Alpengebietsgrenze), durchquert die Bezirksteile Jedlesee, Strebersdorf, Großjedlersdorf und Stammersdorf des 21. Wiener Gemeindebezirkes und erreicht danach über Gerasdorf den Rußbach bei Deutsch Wagram, wo er endet. Der Rußbach durchquert das Marchfeld in Südostrichtung und mündet knapp oberhalb der Marchmündung in die Donau. Die die Grenze zur Slowakei bildende March verläuft am Westrand der Kleinen Karpaten, die das Wiener Becken im Osten begrenzen.

Der Marchfeldkanal verlässt bei Stammersdorf (im Bild unten die Pfarrkirche) das Wiener Stadtgebiet Richtung Deutsch Wagram (Niederösterreich).

Geiserich77, CC BY-SA 3.0

Die vortertiäre Basis dieses Beckens sank im mittleren Tertiär, – gegen Ende der alpinen Gebirgsbildung vor etwa 20 Millionen Jahre -, langsam in die Tiefe, da die Erdkruste im Bereich Wiens eine Schwächezone hat. Diese Bewegung hält mit 1 bis 2 mm pro Jahr auch heute noch an und bewirkt seismische Aktivitäten. Dieses Absinken ist der geologische Grund dafür, dass die Donau sich nicht ihren Weg nordöstlich um die Alpenausläufer herum gesucht hat und dann die Route des heutigen Rußbaches genommen hat, sondern es im Laufe von Jahrmillionen schließlich zum Durchbruch des Alpenkammes bei der heutigen Wiener Pforte zwischen Leopoldsberg und Bisamberg gekommen ist.