Anhang: Die wichtigsten Wasserscheiden Europas

Ergänzend zu den in diesem Band detailliert beschriebenen wichtigsten Wasserscheiden innerhalb des Alpengebietes erfolgt hier als Anhang eine überblickhafte Schilderung der bedeutensten Wasserscheiden des Europäischen Kontinents.

Sansculotte, CC BY-SA 3.0

Bevor in den Folgebänden auf die Detailhydrologie und Beschreibung der Verkehrswege der einzelnen im Alpengebiet liegenden Staaten (siehe Abbildung unten) eingegangen wird, mögen die folgenden Ausführungen dazu dienen, den Zusammenhang der Alpenhydrologie mit der Systematik der Hydrologie des gesamten Europäischen Kontinents zu erkennen. Alle bedeutenden Europäischen Wasserscheiden stehen nämlich in Beziehung zum Alpengebiet und zu der bereits beschriebenen Hauptwasserscheide der Alpen.

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Sie beginnen an den Südenden der drei Europäischen Südhalbinseln, nämlich des Balkans, der Apenninenhalbinsel und der Iberischen Halbinsel und treffen sich alle im zentralen Alpengebiet.

Die „mittlere“ dieser 3 Wasserscheiden, die die stiefelförmige Apenninenhalbinsel entlang des Hauptkamms des Apenninengebirges durchläuft und, – da sie ausschließlich innerhalb des italienischen Staatsgebietes verläuft -, Italienische Wasserscheide genannt wird, tritt in Ligurien vom Apenninengebirge ins Alpengebiet über, verläuft dort weiter entlang des Alpenhauptkamms und geht somit nahtlos in die Hauptwasserscheide der Alpen über.

Die beiden östlichen, die Balkanhalbinsel durchlaufenden Hauptwasserscheiden, nämlich die vom Bosporus kommende Ägäis/Schwarzmeer-Wasserscheide, und die von der Peloponnes kommende Ägäis/Ionisches Meer-Wasserscheide (siehe Karte unten) vereinigen sich im Kosovo (blauer Pfeil). Als Donau/Adria-Wasserscheide tritt diese in Slowenien ins Alpengebiet ein, erreicht an der Grenze Österreich/Italien den Hauptkamm der Alpen und damit die Alpenhauptwasserscheide, vereinigt sich mit dieser und folgt ihr in Westrichtung bis zu ihrem Ausgangspunkt am Schweizer Lunghinpass (roter Pfeil).

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Die westliche Wasserscheide durchläuft den gesamten Europäischen Kontinent bis zum Ural und wird deshalb Europäische Hauptwasserscheide genannt. Sie beginnt am südlichsten Punkt Kontinentaleuropas an der Straße von Gibraltar (im Bild unten), durchläuft die Iberische Halbinsel und die Pyrenäen, passiert innerhalb Frankreichs das gesamte Alpengebiet westlich, dreht danach in Südostrichtung und tritt in der Schweiz von Nordwesten kommend ins Alpengebiet ein. Auch diese Wasserscheide erreicht (westlich des Gotthardpasses) den Alpenhauptkamm und damit die Hauptwasserscheide der Alpen, vereinigt sich ebenfalls mit dieser und folgt ihr in Ostrichtung bis zum Lunghinpass, wo sie den Alpenhauptkamm in Nordrichtung verlässt, Österreich durchquert und in Deutschland das Alpengebiet verlässt.

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Die Italienische Wasserscheide

Als solche wird jene Wasserscheide bezeichnet, die die stiefelförmige Apenninenhalbinsel entlang des Apenninenhauptkamms in Süd-Nordrichtung, – beginnend auf der Kalabrischen Halbinsel nahe der „Stiefelspitze“ an der Straße von Messina (im Bild unten) -, durchquert und die Einzugsgebiete des Ionischen Meeres und der Adria im Osten vom Einzugsgebiet des Tyrrhenisches Meer genannten Teiles des Westlichen Mittelmeeres im Westen trennt, wobei auch eine Kurzschilderung der von dieser Wasserscheide in der süditalienischen Region Basilikata abzweigenden Adria/Ionisches Meer (Golf von Tarent)-Wasserscheide erfolgt, die nahe der Südspitze des „Stiefelabsatzes“ an der Straße von Otranto endet.

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Die Italienische Wasserscheide wird, – sobald sie den Nordrand des “Stiefels” (also das nördliche Ende der Halbinsel) erreicht hat und ab dort die Po-Ebene südlich begrenzend und die Halbinsel allmählich verlassend in Westrichtung dreht -, auch Padanische Wasserscheide genannt, die die im Einzugsgebiet der Adria gelegene Poebene vom Einzugsgebiet des nördlich von Livorno Ligurisches Meer genannten Teiles des Westlichen Mittelmeeres (siehe Karte unten) trennt. Diese entlang des Apenninenhauptkamms verlaufende Wasserscheide tritt westlich von Genua in Südwestrichtung am Colle di Cadibona in die Alpen über, verläuft in diesen weiter entlang des Alpenhauptkamms und setzt sich als Alpenhauptwasserscheide fort.

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Die Donau(Schwarzmeer)/Adria- und die Balkan-Wasserscheide(n)

Die in diesem Band bereits detailliert beschriebene, das Einzugsgebiet der Donau (bzw. des Schwarzen Meeres) vom Einzugsgebiet der Adria trennende inneralpine Wasserscheide, die in der Schweiz am Lunghinpass beginnt und in Slowenien bei Postojna die Alpengebietsgrenze erreicht (siehe auch Detailbeschreibungen in den Bänden 2, 4, 5 und 6), endet natürlich nicht am dortigen Razdrtoplateau, sondern setzt sich außeralpin die Balkanhalbinsel querend fort.

Die Einzugsgebietsgrenze des Schwarzen Meeres setzt sich als (außeralpine) Donau/Adria-Wasserscheide die Staatsgebiete von Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien durchlaufend bis in den Kosovo fort, wo nahe des Amselfeldes jenseits des Einzugsgebietes des Schwarzen Meeres das Einzugsgebiet der Adria endet und jenes der Ägäis beginnt und sie ab dort in Ostrichtung (Gebiete Nord-Mazedoniens, Serbiens und Bulgariens durchlaufend) als Schwarzmeer/Ägäis-Wasserscheide und (im letzten Abschnitt) als Schwarzmeer/Marmarismeer-Wasserscheide über türkisches Staatsgebiet weiterverläuft und erst am Bosporus endet.

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Die im Kosovo sich von der geschilderten Hauptwasserscheide der Balkanhalbinsel trennende Ägäis/Adria-Wasserscheide durchläuft in Südrichtung den Westteil Nord-Mazedoniens, tritt nach Griechenland über, wird zur Ägäis/Ionisches Meer-Wasserscheide, durchläuft als solche in (grundsätzlicher) Nord-Südrichtung ganz Griechenland (und könnte somit auch als Griechische oder Hellenische Wasserscheide bezeichnet werden), wird vom Kanal von Korinth gequert (im Bild unten), durchläuft den Ostteil der Peloponnes-Halbinsel und endet am an der Südspitze der Lakonischen Halbinsel („Ostfinger“ der Peloponnes) gelegenen Kap Malea.

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Die Europäische Hauptwasserscheide

Diese die Einzugsgebiete von Atlantik (inkl. Nord- und Ostsee) und Mittelmeer (inkl. Schwarzes- und Asowsches Meer) trennende Wasserscheide beginnt an der Südspitze Spaniens und durchläuft auch das Alpengebiet. Sie tritt in der Schweiz nördlich des Genfersees ins Alpengebiet ein und verlässt dieses wieder innerhalb Deutschlands nördlich des Bodensees. In diesem Abschnitt verläuft sie zwischen dem in den Lepontinischen Alpen gelegenen Witenwasserenstock und den in den Rätischen Alpen gelegenen Lunghinpass entlang des die Alpenhauptwasserscheide bildenden Alpenhauptkammes.

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Dieser Abschnitt wurde im entsprechenden Kapitel dieses Bandes bereits beschrieben und es sei hier auch auf die Detailbeschreibungen des sonstigen inneralpinen Verlaufes dieser Wasserscheide in den Bänden 4, 5 und 6 verwiesen. Diese Wasserscheide endet definitionsgemäß 200 km westlich von Moskau in den Smolensker Höhen (siehe deren Lage in der Karte unten), in denen jenseits des Einzugsgebietes des Atlantiks bzw. der Ostsee das Einzugsgebiet des Mittelmeeres endet und jenes des Kaspischen Meeres (über die Wolga) beginnt. Diese Wasserscheide setzt sich als Eurasische Hauptwasserscheide fort, die das Einzugsgebiet der Ostsee und kurz danach jenes des Nordpolarmeeres vom Einzugsgebiet des Kaspischen Meeres trennt und als solche Europa im Südlichen Ural verlässt.

Maximilian Dörrbecker (Chumwa), CC BY-SA 2.5

Im Rahmen der Ausführungen erfolgen auch Kurzschilderungen der von dieser bedeutensten und längsten Europäischen Wasserscheide abzweigenden Nordsee/Ostsee-, Ostsee/Nordpolarmeer- (somit vollständig der Ostsee-Einzugsgebietsgrenze) und Schwarzmeer/Kaspisee-Wasserscheide, sowie (als Abschluss) eine überblickhafte Darstellung der Grenze des Europäischen Kontinents.