Die Atlantik(Ostsee und Europäisches Nordmeer)/Nordpolarmeer-Wasserscheide und das Ostseeeinzugsgebiet

Ausgangspunkt dieser Wasserscheide ist der in Nordrussland in der Kammkette der Eurasischen Hauptwasserscheide an der Eizugsgebietsgrenze des Atlantik gelegene Hauptwasserscheidepunkt Atlantik(Ostsee)/Nordpolarmeer(Weißmeer)/Kaspisee. Dort trennt sich die Einzugsgebietsgrenze des Atlantiks von der als Nordpolarmeer(Onega)/Kaspisee(Wolga)-Wasserscheide weiter verlaufenden Eurasischen Hauptwasserscheide. In den folgenden Ausführungen erfolgen die Flussverlaufsbeschreibungen der von der Nordpolarmeer/Atlantik-Wasserscheide weg ins Nordpolarmeer (Weißes Meer und Barentsee) entwässernden Flüsse in dunkelblauer Schrift-, und jene der in den Atlantik (Ostsee und Europäisches Nordmeer) entwässernden Flüsse in türkiser Schrift.

Diese durchläuft in Nordrichtung als Nordpolarmeer(Weißmeer)/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide in der Folge eine heute aus dem Europäischen Bewußtsein fast verdrängte, einstmals jedoch durchaus prominent in Resteuropa wahrgenommene historische Landschaft (im Bild unten), nämlich Karelien.

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Dieses zugegebenermaßen am Rande Europas nicht exakt abgegrenzte sich zwischen der Ostsee im Westen, dem Weißen Meer im Osten, dem 60. Breitegrad im Süden und dem Polarkreis (= 66° 33′ 55″ nördliche Breite) im Norden erstreckende, früher abwechselnd unter schwedischer, finnischer und russischer Herrschaft gestandene historische Gebiet, das heute zwischen Finnland (politische Landschaften Südkarelien und Nordkarelien) und Russland (umfasst verwaltungstechnisch die Republik Karelien und Teile der Oblast Leningrad) aufgeteilt ist, geriet in der Zeit des Eisernen Vorhangs als großteils für Ausländer gesperrtes Militärgebiet in Vergessenheit und erlangte ab der Stalin-Zeit auch innerhalb der damaligen Sowjetunion bei der Bevölkerung durch die dort eingerichteten Gulag-Lager einen sehr negativen Ruf.

Hingegen hatte diese historische Landschaft in der Vorsowjetzeit als unmittelbares Hinterland der damaligen glanzvollen Hauptstadt des Zarenreiches St. Petersburg (im Bild unten der Komplex der Eremitage) einen bedeutenderen Stellenwert und hat auch heute noch vor allem für die Finnen mythologische Bedeutung, zumal die Handlung des vom finnischen Schriftsteller Elias Lönnrot verfasste finnische Nationalepos Kalevala in diesem Kulturraum angesiedelt ist.

Alexandru Baboş Albabos, CC BY 3.0

Die Nachhaltigkeit des auch heute noch spürbaren kulturellen Einflusses auch auf die Umgebung dieses auch von nordeuropäischen indigenen Randvölkern, nämlich den Kareliern (im Bild unten die typische Tracht), den überwiegend rund um den Ladogasee angesiedelten Wepsen (im Bild unten eine Folkloregruppe) und den vormals Lappen genannten Samen bevölkerten Kulturraumes zeigt sich beispielsweise auch daran, dass man dann, wenn man etwa in der finnischen Hauptstadt Helsinki auch nur ein wenig „gehoben“ Essen gehen will, unweigerlich in einem russischen (karelischen) Restaurant landet.

Semenov.m7, CC BY-SA 3.0
Foto: Gabi Mühlenbrock (aus dem Bild- und Textband von Klaus Bednarz, Das Kreuz des Nordens, 2007)

Die Nordpolarmeer/Atlantik-Wasserscheide verläuft als Onega/Newa-Wasserscheide in Nordrichtung zwischen dem Onegasee im Westen und dem Latschasee im Osten, tritt ins Gebiet der Republik Karelien über, passiert östlich den 322 km² großen in den Onegasee (33 m, im Bild unten) und somit über dessen 224 km langen Abfluss Swir in den Ladogasee und weiter über die Newa in die Ostsee entwässernden Wodlosero (136 m), dreht in Nordwestrichtung und endet, da jenseits des Newagebietes das Einzugsgebiet der Onega endet und jenes des Wyg beginnt.

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Der 314 km lange Wyg ist ein Fluss in der Republik Karelien und besteht aus zwei Flussabschnitten. Der Oberlauf wird von dem 135 km langen Oberen Wyg gebildet, der in den 1.250 km² großen und 77 km langen Wygosero mündet. Er hat seinen Ursprung im südöstlich vom Wygosero gelegenen See Egosero. Er verläuft in nordwestlicher Richtung durch eine Sumpflandschaft und durchfließt dabei mehrere kleinere Seen. Der Unterlauf wird von dem 102 km langen Unteren Wyg gebildet, der in Nordrichtung den Wygosero verlässt und Teil des Weißmeer-Ostsee-Kanals ist. Ein Großteil des Wassers des Wygosero verlässt den Stausee allerdings über das Ondskoje-Wasserkraftwerk und den Unterlauf der Onda und trifft wenige Kilometer weiter nördlich auf den eigentlichen Weißmeer-Ostsee-Kanal bzw. den Unteren Wyg, der schließlich bei Belomorsk rund 200 km nordwestlich der Onegamündung ebenfalls in die Onegabucht des Weißen Meeres (im Bild unten) und somit ins Nordpolarmeer mündet.

gerald zojer, CC BY-SA 3.0

Die zur Wyg/Newa-Wasserscheide gewordene Nordpolarmeer/Atlantik-Wasserscheide wird zwischen dem Onegasee im Süden und dem Wygosero im Norden vom Weißmeer-Ostsee-Kanal (siehe Abbildung unten) gequert, passiert den Segozerosee südwestlich und den in den Unteren Wyg entwässernden Ondosero westlich und endet östliche des 166 km² großen über den Vukosi in den Ladogasee entwässernden Leksosero (174 m) auf den Südausläufern des Maanselkä-Landrückens südwestlich des vom Fluss Ochta durchflossenen Sees Ozero Muy (175 m), da jenseits des Newagebietes das Einzugsgebiet des Wyg endet und jenes des Kem beginnt.

NormanEinstein, CC BY-SA 3.0

Der 191 km lange Kem ist der Abfluss des 141 km² großen in der russischen Republik Karelien gelegenen Sees Nischneje Kuito (Unterer Kuito, 100 m). Dieser ist der unterste und östlichste des durch natürliche Kanäle miteinander verbundenen 140 km langen Dreiseensystems Kuito. Westlich des Nischneje Kuito liegen der Sredneje Kuito (Mittlerer Kuito) und der Werchneje Kuito (Oberer Kuito, 103 m), dessen Hauptzufluss, der 110 km lange Pistojoki in Finnland im Gemeindegebiet von Kuusamo (Landschaft Nordösterbotton) dem 25 km² großen See Joukamojärvi entspringt, der von den Abflüssen der westlich gelegenen Seen Kuusamojärvi und Muojärvi gespeist wird, von dem er in Ostrichtung abfließt, die russische Grenze (Republik Karelien) überschreitet, in Südrichtung dreht, den 40 km² großen Pistojärvi durchfließt und schließlich das westliche Ende des Werchneje Kuito erreicht. Nach seinem Austritt aus dem Nischneje Kuito durchfließt der Kem den Jaschkojarwi, in den von Süden der 221 km lange Tschirka-Kem einmündet, dessen linke Zuflüsse Rastas und Chjame den 214 km² großen See Njuk (134 m) entwässern, dessen Hauptzufluss Nogeusjoki dem nahe der finnischen Grenze gelegenen See Kamennoje entspringt.

СафроновАВ, CC BY-SA 3.0

Der in Ostrichtung fließende Kem nimmt unterhalb des Jaschkojarwi von links die 154 km lange Kepa (87 m) -, und danach von rechts die 142 km lange Ochta auf, die u. a. den Ozero Muy durchflossen hat. Nach linksseitiger Aufnahme der Schomba mündet der Kem rund 50 km nördlich der Wygmündung bei der Stadt Kem gegenüber den Solowezki-Inseln, auf denen das gleichnamige Kloster steht (im Bild unten), ins Weiße Meer und somit ins Nordpolarmeer.

Mihail Vasiliev. CC BY-SA 3.0

Als Kem/Newa-Wasserscheide weiter die Nordwestrichtung beibehaltend passiert die Nordpolarmeer(Weißmeer)/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide östlich den 74,3 km² großen in den Ladogasee entwässernden Ozero Rovkul’skoye (183 m) und endet südlich des Kamennoje auf dem dort die finnisch/russische Grenze bildenden Maanselkä genannten in Süd-Nordrichtung verlaufenden Höhenrücken, da auf der Ostseeseite der Wasserscheide das Einzugsgebiet des Ladogasees (und damit der Newa) endet und jenes des Oulujoki beginnt.

Der 107 km lange Oulujoki ist der Abfluss des 887 km² großen in der finnischen Landschaft Kainuu gelegenen Sees Oulujärvi (123 m), der 2 Hauptzuflüsse hat. Östlicher Zufluss ist der 12 km lange Kajaaninjoki, der dem 96 km² großen See Nuasjärvi (138 m, im Bild unten) entspringt, der Teil einer in Ostrichtung aufwärts bis zum See Ontojärvi (159 m) verlaufenden Seenkette ist, die an den Westabhängen des Maanselkä nahe der russischen Grenze endet. Auch der von Norden einmündende 16 km lange Kiehimänjoki entwässert eine Seenkette, die nörd-lich des 188 km² großen, wenige Kilometer westlich der russischen Grenze liegenden Kiantajärvi (200 m) am kleineren See Sarvijärvi beginnt, dessen Ostufer fast die Staatsgrenze berührt.

Tumi-1983, CC BY 3.0

Der in Nordwestrichtung fließende Oulujoki tritt kurz nach seinem Austritt aus dem Oulujärvi in die Landschaft Nordösterbotton ein und mündet bei der an der Ostküste des Bottnischen Meerbusens gelegenen Stadt Oulu in das Atlantik-Nebenmeer Ostsee.

Die Nordpolarmeer(Weißmeer)/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide folgt als Kem/Oulujoki-Wasserscheide in Nordrichtung der Staatsgrenze zwischen Russland (Republik Karelien) und Finnland (Landschaft Kainuu) in Nordrichtung entlang des Maanselkä, verläuft über eine Landbrücke zwischen dem über den Tschirka-Kem in den Kem entwässernden See Kamennoje im Osten und dem über den Kiehimänjoki in den Oulujoki entwässernden See Änättijärvi im Westen, passiert sodann den Kiantajärvi östlich, den Pistojärvi westlich und es endet beim in den Oulujoki entwässernden grenznahen See Sarvijärvi auf der finnischen Seite das Gebiet der Landschaft Kainuu und es beginnt die Landschaft Nordösterbotton, in die die Kem/Oulujoki-Wasserscheide die Staatsgrenze verlassend eintritt und am südlichen Kuusamo-Plateau endet, da jenseits des Kemgebietes das Einzugsgebiet des Oulujoki endet und jenes des Iijoki beginnt.

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Der 370 km lange Lijoki entspringt in Finnland dem 20 km² großen See Iijärvi (254 m) im südlichen Gemeindegebiet des Touristenzentrums Kuusamo in der Landschaft Nordösterbotton und hat ein Einzugsgebiet (siehe dessen Lage innerhalb Finnlands in der Abbildung oben) von 14.190,7 km². In Südwestrichtung durch ein naturbelassenes dünn besiedeltes Tal fließend dreht der Fluss nach rund 90 km in Westrichtung, passiert die Ortschaften Taivalkoski und Pudasjärvi, wo er den gleichnamigen See durchfließt, erreicht Yli-Ii und mündet 36 km nördlich von Oulu im Gemeindegebiet der Ortschaft Ii (im Bild unten der dortige Flusslauf) in der Nordostecke des Bottnischen Meerbusens in das Atlantik-Nebenmeer Ostsee.

I, TeVe, CC BY-SA 3.0

Die zur Kem/Lijoki-Wasserscheide gewordene Weißmeer/Ostsee-Wasserscheide verläuft in Westrichtung zwischen dem Lijoki-Quellsee Iijärvi im Süden und dem über Joukamojärvi und Pistojoki in den Kem entwässernden Kuusamojärvi im Norden, passiert südlich das Ortszentrum von Kuusamo, wird von der Staatsstraße 20 gequert (im Bild unten) und endet östlich der Seengruppe Kitkajärvi an der Grenze der Landschaften Nordösterbotton und Lappland, da auf der Weißmeerseite der Wasserscheide das Einzugsgebiet des Kem endet und jenes der Kowda beginnt.

Die 233 km lange Kowda ist ein nordwestrussischer Fluss, der Gebiete der Republik Karelien und der Oblast Murmansk durchläuft, mehrmals den Namen wechselt und in der Kandalakscha-Bucht, dem nordwestlichsten „Zipfel“ des Weißen Meeres (siehe Karte unten, in der auch die Onegabucht erkennbar ist, in die die bereits beschriebenen Flüsse Onega und Wyg münden) am Südrand der Halbinsel Kola ins Weiße Meer und somit ins Nordpolarmeer mündet.

NormanEinstein, CC BY-SA 3.0

Ursprung der Kowda ist der 986 km² große See Toposero (109 m) in der Republik Karelien, den sie als Sofjanga in Nordrichtung verlässt und nach nur 4 km in den Pjaosero (101 m, 659 km²) mündet, in den von Westen die 140 km lange Olanga einmündet, die in Finnland nördlich von Kuusamo als Oulankajoki in Moorgebieten (im Bild unten) entspringt, im Oulanka-Nationalpark von Süden den Kitkajoki (Kitkajärvi-Abfluss) aufnimmt, und dem nach seinem Übertritt nach Russland der ebenfalls vom Kuusamo-Plateau abfließende Kuusinkijoki zufließt.

Als Kundoserka fließt die Kowda vom Pjaosero ab und mündet nach 2 km in den östlich angrenzenden See Kundusero, den sie als Kuma verlässt, nach 12 km den nordwestlich gelegenen See Sokolosero erreicht und auf diesem Weg die Flüsschen Newga (von rechts) und Porasjoki (von links) aufnimmt. Als Rugoserka fließt die Kowda über 1,5 km weiter in den See Rugusero, der in den Stausee Suschosero übergeht, in den von Norden kommend die 207 km lange Tumtscha (finn: Tuntsajoki, im Bild unten) mündet, die in Finnland im Tuntsan erämaa genannten Wildnisgebiet entspringt, nach 35 km nach Russland (Oblast Murmansk) übertritt, die Kleinstadt Alakurtti passiert und kurz vor ihrer Mündung in die Republik Karelien übertritt.

leschiy69, CC BY-SA 3.0

Als Iowa verlässt die Kowda in die Oblast Murmansk übertretend den Stausee und erreicht 3,5 km weiter nordöstlich den Tutosero, der in den Stausee Kowdosero (37 m, 608 km²) abfließt, in den von Süden die aus der Republik Karelien kommende und dem östlich des Pjaosero gelegenen See Mjugro entsprungene 106 km lange Lopskaja einmündet. Schließlich verlässt der Fluss als Kowda den Stausee und erreicht über 250 km nördlich der Kemmündung bei der Ortschaft Kowda die Kandalakscha-Bucht des Weißen Meeres und somit das Nordpolarmeer.

Innerhalb der finnischen Landschaft Lappland passiert die zur Kowda/Lijoki-Wasserscheide gewordene Trennlinie zwischen Nordpolarmeer(Weißes Meer) und Atlantik(Ostsee) südlich das in den Gemeinden Posio und Kuusamo gelegene Seengebiet Kitkajärvi, das aus den durch den Sund Kilkilösalmi verbundenen Seen Yli-Kitka (im Bild unten) und Ala-Kitka besteht, dreht in Nordrichtung und endet westlich der genannten Seenkette, da auf der Ostseeseite der Wasserscheide das Einzugsgebiet des Lijoki endet und jenes des Kemijoki beginnt, das im Vorkapitel Die Nordsee/Ostsee- und die Europäisches Nordmeer/Ostsee-Wasserscheide im Detail beschrieben worden ist.

Fanny Schertzer, CC BY-SA 3.0

Der Kemijoki entspringt in der Nordostecke Finnlands, durchfließt in Südwestrichtung Finnisch-Lappland und mündet 70 km nordwestlich der Iimündung bei Kemi an der Nordküste des Bottnischen Meerbusens in die Ostsee.

Weiter in Nordrichtung überschreitet die nunmehrige Kowda/Kemijoki-Wasserscheide den Nördlichen Polarkreis, passiert westlich bei Salla ein sumpfiges Moorgebiet (Quellgebiet des Kowda-Zuflusses Olanga), danach, – das Tal des Kemijoki-Zuflusses Kitinen östlich begrenzend -, das im Varrio-Naturpark (Värriön luonnonpuisto) gelegene Tuntsan erämaa genannte Tuntsa-Wildnisgebiet (Quellgebiet des Kowda-Zuflusses Tumtscha) und endet im genannten Naturparkgebiet, da dort jenseits des Ostseegebietes das Einzugsgebiet der Kowda und damit auch des Weißen Meeres endet und jenes der Tuloma (über deren Zufluss Nuortti) und damit der Barentssee (siehe Karte unten), die ein Randmeer des auch Nordpolarmeer genannten Arktischen Ozeans ist, beginnt.

Barents_sea_map_blank.png, CC BY-SA 3.0

Die 64 km lange Tuloma (Тулома) ist ein Fluss der russischen Halbinsel Kola (Oblast Murmansk). Sie ist der Abfluss des 745 km² großen künstlichen Sees Verkhnetulomsky (85 m). Die Quellen seiner von Westen kommenden Hauptzuflüsse, der 235 km langen Lotta, die südöstlich des Wintersportortes Saariselkä entspringt, und des Nuortti (entspringt im Varrio-Naturpark), liegen auf finnischem Staatsgebiet in der Landschaft Lappland.

СафроновАВ, CC BY-SA 3.0

Die Tuloma fließt fast geradlinig in Nordostrichtung durch das bergige Gebiet der Kola-Halbinsel, passiert die Ortschaften Verkhnetulomsky und Murmaschi (40 m) und mündet 12 km südlich der Hafenstadt Murmansk (Му́рманск, im Bild unten, Hauptstützpunkt der russischen Nordflotte) bei Kola in die Kolabucht (Кольский залив) der Barentssee und somit ins Nordpolarmeer.

Als Tuloma/Kemijoki-Wasserscheide tritt die Nordpolarmeer(Barentssee)/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide ins Gebiet des Urho-Kekkosen-Nationalparks über und erreicht die Grenze zu Russland (Oblast Murmansk) am Grenzberg Korvatunturi (486 m), dem eigentlichen (sehr entlegenen) ordentlichen Hauptwohnsitz des Weihnachtsmannes (im Bild unten).

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Um den damit verbundenen Touristenrummel vom Naturschutzgebiet des Nationalparks fern zu halten, wurde kurzer Hand ein am Polarkreis liegender Vorort der Provinzhauptstadt Rovaniemi zum „Weihnachtsmanndorf“ (im Bild unten) und „Sitz der Kammer des Weihnachtsmannes“ erklärt und dort eine entsprechende Infrastruktur samt Themenpark und Postamt etc. errichtet.

© my-entdecker

Die Tuloma/Kemijoki-Wasserscheide tritt nördlich des Korvatunturi (Russland endgültig verlassend) in Nordwestrichtung wieder ins finnische Staatsgebiet ein und durchläuft das Urho-Kekkosen-Nationalparkgebiet, in dem es die höchste Erhebung des Maanselkä, den 718 m hohen Berg Sokosti (im Bild unten) in Westrichtung drehend überwindet.

Ari Mure, CC BY-SA 3.0

Das Quellgebiet des Tuloma-Zuflusses Lotta südlich begrenzend erreicht die Tuloma/Kemijoki-Wasserscheide südlich des Wintersportzentrums Saariselkä den Westrand des Nationalparks und endet nahe dem (Iglu)Hoteldorf Kakslauttanen (im Bild unten im Polarlicht), da dort jenseits des Ostseegebietes das Einzugsgebiet der Tuloma endet und jenes des Paatsjoki beginnt.

© Valleri Hrvonen

Der 145 km lange Paatsjoki (norw: Pasvikelva) ist der Abfluss des 1.084,33 km² großen, meist bis Juni zugefrorenen Inarisees (finn: Inarijärvi, 119 m), in dem rund 3.000 Inseln liegen und der knapp westlich des Dreiländerecks Norwegen/Finnland/Russland liegt, dessen Grenzstein (im Bild unten von Finnland aus gesehen) auch zu Fuß nicht umrundet werden darf, da das Betreten russischen Gebietes (im Bild unten die rechte Bildhälfte) streng verboten ist und es dürfen auch keine Steine und sonstige Gegenstände nach Russland hineingeworfen werden. Außerdem wäre eine Umrundung ohnehin mühsam, da ständig die Uhren verstellt werden müssten, da hier auch 3 Zeitzonen aufeinander treffen, nämlich UTC+1 (Mitteleuropäische Zeit, Norwegen), UTC+2 (Osteuropäische Zeit, Finnland) und UTC+3 (Moskauer Zeit, Oblast Murmansk – Russland).

© Michael Moll (weltenbummler)

Von den vielen meist kaum 10 km langen Zuflüssen des Inarisees (Juutuanjoki, Kirakkajoki, Siuttajoki, Nellimjoki, Surnujoki), die alle zahllose Kleinseen entwässern, kann der 118 km lange Ivalojoke als Hauptzufluss gesehen werden. Er entspringt in Finnland in der Landschaft Lappland im Gemeindegebiet von Enontekiö am Korsatunturi auf 182 m Seehöhe, fließt in Nordostrichtung anfangs durch eine Moorlandschaft, später durch eine einsame, fast unbewohnte Mittelgebirgslandschaft mit aufgelassenen Goldgräbersiedlungen, erreicht die Ortschaft Ivalo und mündet, – in drei Hauptarme geteilt ein Flussdelta bildend -, in den Inarisee (im Bild unten).

Der Paatsjoki tritt in Nordostrichtung aus dem Inarisee aus und überschreitet unmittelbar danach die russische Grenze (Oblast Murmansk), verläuft ca. 20 km parallel zur Staatsgrenze und wird rund 5 km östlich des bereits erwähnten Dreiländerecks Finnland/Norwegen/Russland zum Grenzfluss zwischen Norwegen (linkes Ufer) und Russland. Zur Zeit des Kalten Krieges war dies die einzige Landgrenze zwischen Russland (damals Russische SSR), dem Kerngebiet der seinerzeitigen Sowjetunion, und einem NATO-Staat und es war deshalb dieser Grenzabschnitt eines der bestüberwachten Gegenden der Welt, zumal auch noch nur knapp über 100 km weiter östlich in den in der Kolabucht gelegenen Marinestützpunkten Seweromorsk und Murmansk die Atom-U-Bootflotte der Roten Armee stationiert gewesen ist. In diesem rund 100 km langen Abschnitt durchfließt der Paatsjoki die Stauseen Skogfoss und Boris Gleb, nach dem die Staatsgrenze den Fluss in Ostrichtung verlässt, der Paatsjoki auf norwegisches Staatsgebiet (Fylke Finnmarkt der Region Nord-Norge) übertritt und nach 5 km bei Kirkenes (im Bild unten der Hafen) in den Bøkfjord mündet, einer Nebenbucht des 90 km langen Varangerfjords, der bei der Provinzhauptstadt Vadsø in die Barentssee und somit ins Nordpolarmeer übergeht.

Janter~commonswiki, CC BY-SA 3.0

Die zur Paatsjoki/Kemijoki-Wasserscheide gewordene Nordpolarmeer/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide verläuft, – die Quellgebiete kleiner Inariseezuflüsse südlich begrenzend -, in Westrichtung, erreicht die Ostausläufer des Skandinavischen Gebirges, passiert nördlich den Porttipahta-Stausee und erreicht nach rund 80 km das Gemeindegebiet von Enontekiö, steigt zum Korsatunturi an und endet an dessen Westabhang nahe der norwegischen Grenze, da jenseits des Ostseegebietes das Einzugsgebiet des Paatsjoki endet und jenes des Tanaelva beginnt.

Der 366 km lange Tanaelva (finn: Tenojoki) entspringt in Lappland als Anarjohka auf 500 m Seehöhe in den Mittelgebirgshügeln im Süden der Fylke Finnmark in der norwegischen Region Nord-Norge im Grenzgebiet zu Finnland. Kurz nach seinem Ursprung wird der auf finnisch Inarijoki genannte in grundsätzlicher Nordrichtung fließende Fluss zum Grenzfluss zwischen Norwegen (linkes Ufer) und Finnland. Auf den folgenden 153 km bis Karigasniemi (im Bild unten der dortige Grenzübergang) münden von links die Bäche Iškorasjohka, Goššjohka, Ássuorgi und Cáskinjohka ein; aus Finnland fließen Karigasjoki und Skiehččanjohka zu.

Peter Van den Bossche, CC BY-SA 2.0

Nördlich von Karigasniemi vereinigt sich der Anarjohka mit dem von Westen aus Norwegen kommenden 166 km langen Karasjohka, der nordwestlich des Anarjohki-Quellgebietes ebenfalls im Hügelland der Ostausläufer des Skandinavischen Gebirges auf rund 400 m Seehöhe entspringt, auf seinem in Nordostrichtung verlaufenden Weg durch unzugängliches Wald- und Seengebiet von links den Iešjohka-, und von rechts den Bávttajohka aufnimmt und kurz vor dem Zusammenfluss die Ortschaft Karasjok passiert, zum Tanaelva, der als einer der weltweit besten Fischgründe für Lachse gilt. Ein 36 kg schweres Exemplar, das 1929 dort gefangen wurde, ist bis heute der größte jemals gefangene Atlantische Lachs. Der weiter in Nordrichtung fließende und weiterhin die norwegisch-finnische Grenze bildende Tanaelva dreht in Ostrichtung und nimmt nach 100 km bei der Ortschaft Utsjoki von Süden den gleichnamigen 50 km langen finnischen Fluss auf. Die Staatsgrenze verlässt 55 km weiter flussabwärts bei Nuorgam (nördlichstes Dorf Finnlands) in Südrichtung abdrehend den Tanaelva, der gänzlich auf norwegisches Staatsgebiet übertritt, bei der Ortschaft Tana in Nordrichtung dreht und in den Tanafjord der Barentssee und somit ins Nordpolarmeer mündet. Die Kinnarodden genannte Nordspitze der den Tanafjord westlich begrenzenden Halbinsel Nordkinn ist der nördlichste Punkt des Europäischen Festlandes (71° 7′ 56.98″ N). Die Tanelvamündung in den dem Varangerfjord nordwestlich benachbarten Tanafjord (im Bild unten) gilt als nördlichste Flussmündung Europas.

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Die Nordpolarmeer(Barentssee)/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide verläuft in Nordwestrichtung und steigt, – teilweise dem Staatsgrenzenverlauf Finnland/Norwegen folgend -, im Gebiet des Lemmenjoki-Nationalparks als Tanaelva/Kemijoki-Wasserscheide zum Hochplateau Finnmarksvidda an, überschreitet östlich des 64 ha großen in den Kemijoki entwässernden Grenzsees Aaletajärvi (462 m) die norwegische Grenze, passiert diesen See sodann nördlich und den über den Karasjohka in den Tanaelva entwässernden Njullosjávri (460 m) südlich, kehrt nach Finnland zurück, folgt wieder dem finnisch/norwegischen Grenzverlauf und passiert den 90 ha großen über Pöyrisjärvi und Ounasjoki in den Kemijoki entwässernden Maaterjärvi nördlich, überschreitet südlich des Vilgonajávri (505 m) neuerlich die norwegische Grenze, steigt im Gebiet des Øvre-Anárjohka Nationalparks am Südrand des seeenreichen Finnmarksvidda-Hochplateaus (im Bild unten) zum Roavvoaivi (597 m) an und endet, da jenseits des Ostseegebietes das Einzugsgebiet des Tanaelva (und damit auch jenes der Barentssee und des Nordpolarmeeres) endet und jenes des Altaelv (und damit des Europäischen Nordmeeres und des Atlantik) beginnt, der in den westlich des Nordkaps (trennt das Europäische Nordmeer im Westen von der Barentssee in Osten) gelegenen Altafjord des Europäischen Nordmeeres mündet, das ein Randmeer des Atlantischen Ozeans ist.

Es sei hier daran erinnert, dass auch das Altaelv-Einzugsgebiet (wie jenes des Kemijoki) im vorherigen Unterkapitel Die Nordsee/Ostsee- und die Europäisches Nordmeer/Ostsee-Wasserscheide im Detail beschrieben worden ist.

Der 240 km lange Altaelv entsteht auf rund 500 m Seehöhe in Norwegen im Finnmarksvidda genannten Hochland, fließt in grundsätzlicher Nordrichtung und mündet südwestlich des Nordkaps in den Altafjord des Europäischen Nordmeeres und somit in den Atlantik.

Mit dem Erreichen der Finnmarksvidda-Hochebene durch die Barentssee/Ostsee-Wasserscheide wurde somit im Rahmen der bisherigen Ausführungen die gesamte Einzugsgebietsgrenze der Ostsee dargestellt.

Die vom Finnmarksvidda in Westrichtung zum Hochgebirgsteil des Skandinavischen Gebirges ansteigende, von dort in Südrichtung weiter verlaufende und das Einzugsgebiet der Ostsee begrenzende Wasserscheide wird zur inneratlantischen Wasserscheide zwischen dem Atlantik-Nebenmeer Ostsee und dem Atlantik-Randmeer Europäisches Nordmeer. Der Verlauf dieser am Klapperstein endenden und mit der Einzugsgebietsgrenze der Ostsee identen Wasserscheide wurde im vorherigen Unterkapitel Die Nordsee/Ostsee- und die Europäisches Nordmeer/Ostsee-Wasserscheide bereits beschrieben.

Mit der ebenfalls (im Zuge der Schilderung der Europäischen- bzw. der Eurasischen Hauptwasserscheide) erfolgten Detailbeschreibung der ab dem Klapperstein mit der Kontinentalwasserscheide identen Ostseegebietsgrenze durch Tschechien, Polen, Slowakei, Ukraine und Weißrussland bis zum in Russland gelegenen Hauptwasserscheidepunkt Atlantik/Nordpolarmeer/Kaspisee, sowie der im gegenständlichen Kapitel geschilderten von dort durch Finnland bis zur Finnmarksvidda verlaufenden Nordpolarmeer/Atlantik(Ostsee)-Wasserscheide ist der Ausgangspunkt der Gebietsumschreibung des Ostsee- Einzugsgebietes wieder erreicht.

© idw-online

Die auf der Finnmarksvidda beginnende in Nordrichtung verlaufende Nordpolarmeer(Barentssee)/Atlantik(Europäisches Nordmeer)-Wasserscheide verläuft vorerst als Tanaelva/Altaelv-Wasserscheide über den bis zu 640 m hohen Bergrücken Lávvoaivi, dreht kurz in Nordostrichtung, schlängelt sich sodann in grundsätzlicher Nordrichtung zwischen zahlreichen im Zentrum des Finnmarksvidda-Hochplateaus gelegene Seen und verläuft im Nordteil der Finnmarksvidda-Hochebene über eine Landenge zwischen dem Altaelv-Stausee Virdnejávri (265 m) im Westen und dem in die Tanaelva entwässernden 68 km² großen Iešjávri (391 m, größter See der Finnmark, im Bild unten) im Osten.

Ragsu, CC BY-SA 3.0

Am Westrand des nördlich des Iešjávri gelegenen Stabbursnes-Naturreservats endet einerseits auf der Westseite der Wasserscheide das Einzugsgebiet des Altaelv und es beginnt jenes des knapp 30 km langen Flüsschens Transfaelva, die kaum 3 km östlich der Altaelvmündung in den Altafjord des Europäischen Nordmeeres und somit in den Atlantik mündet, und andererseits endet auch auf der Ostseite der Wasserscheide das Einzugsgebiet des Tanaelva und es beginnt jenes der 60 km langen Stabburselva, die das unbewohnte Stabbursdalen durchfließt (im Bild unten) und 10 km nördlich von Lakselv von Westen in den 123 km langen Porsangerfjord mündet, der östlich des Nordkaps in die Barentssee und somit ins Nordpolarmeer übergeht.

© revisorfrue

Danach schlängelt sich die Wasserscheide zwischen der Barentssee im Osten und dem Europäischen Nordmeer im Westen durchs Gebiet eines sich in Nordrichtung verjüngenden Landstreifens und es fließen vom die Wasserscheide bildenden Kamm in beide Richtungen nur Kleinstbäche ab, die nach meist weniger als 10 km entweder einen kleinen Nebenfjord des Europäischen Nordmeeres-, oder den östlich gelegenen Porsangerfjord (im Bild unten) erreichen.

Arnstein Rønning, CC BY-SA 3.0

Die Nordpolarmeer(Barentssee)/Atlantik(Europäisches Nordmeer)-Wasserscheide erreicht am Nordende des Landstreifens die Küste am weniger als 2 km schmalen Magerøysundet gegenüber der Nordkapinsel Magerøya, die östlich dieser die Nordmeerbucht Vannfjorden im Westen mit der Porsangerfjord-Nebenbucht Lafjorden im Osten verbindenden Meerenge seit 1999 mit dem Festland durch den 6.875 m langen Nordkaptunnel (Teil der Europastraße 69) verbunden ist.

Die Wasserscheide setzt sich nördlich des Magerøysundet auf der gänzlich unter Naturschutz stehenden 436,4 km² großen Insel Magerøya fort, die sie stark richtungsändernd in Süd-Nordrichtung durchläuft, dabei auf fast 400 m Seehöhe ansteigt, jedoch nicht an deren nördlichsten Punkt, der flach ins Meer hinaus ragenden Landzunge Knivskjellodden (71°11’08 N), sondern 4 km weiter östlich auf 71° 10′ 16″ nördlicher Breite und somit 1,4 km weiter südlich am auf einem spektakuläre Aussicht bietenden Schieferplateau gelegenen und touristisch besser verwertbaren Nordkap (im Bild unten mit Knivskjellodden im Hintergrund) endet.